Montag, 7. November 2011

Wundertüte vs. Weiner Bremen und das Verbrechen, ein Fußballfan zu sein.

Das war ein schmerzlicher Samstagnachmittag. Erwartet war ein klassischer Wundertütenauftritt der negativen Art, nach zuletzt anderthalb guten Auftritten war ein Ausreisser nach unten an der Reihe, um dem Gesetz der Nichtserie Folge zu leisten. Es kam nicht so und wurde trotzdem doof.
Stattdessen nämlich spielte der 1. FC Köln gut. Nicht grandios, keinesfalls, schließlich lag die 2:0 Führung zum Halbzeitpfiff auch daran, dass Bremens Stürmer nicht treffen wollten. Den Chancen nach hätte es also zur Halbzeit auch 3:3 stehen können, aber selbst das wäre, gemessen an meinen Erwartungen, noch völlig in Ordnung gewesen. Gehen wir allerdings nach "könnte, hätte, müsste", so hätte Bremen diese erste Halbzeit mit zehn Mann beenden müssen, Sokratis ahndungswerter Bodycheck gegen Peszko - ohne Chance an den Ball zu kommen, im Strafraum, eingesetzt zur Vereitelung einer klaren Torchance - hätte nicht nur Elfmeter nach sich ziehen müssen, sondern auch mindestens die zweite gelbe Karte, und somit gelbrot, für den Griechen bedeuten müssen.
Wie auch immer, Schiedsrichter Weiner entschied anders, wie er in der zweiten Halbzeit so manches anders entschied, als es die Bilder hergaben - Naldos Volleyballbewegungen im Strafraum, die Weiner anschließend zur Schutzhand erklärte, Serenos Trikotzupfer, der in Weiners einsamen Kosmos Elfmeter und glatt Rot bedeutete. Die Behauptung des Express, Werders Manager Allofs hätte Herrn Weiner in der Halbzeit in dessen Kabine besucht, lassen wir an dieser Stelle unbeachtet, solange es dafür keine seriösen Quellen gibt.
Seriöse Quellen gibt es allerdings zuhauf für anderes, welches sich in Bremen ereignete: Demnach mussten sich die Gästefans vor Eintritt in das Weserstadion zu viert oder fünft auf eine Bierbank setzen und sich dann ausgiebig von Sprengstoffspürhunden beschnüffeln lassen, welche auf der Suche nach pyrotechnischen Materialien waren. Ein weiterer niederschmetternder Beweis dafür, dass der gesellschaftliche Paradigmenwechseln von der zu beweisenden Schuld des bis dahin Unschuldigen hin zur Vorverurteilung und deren Umsetzung durch sogenannte Präventivmaßnahmen bereits in erschreckender Weise vollzogen ist. "Fußballfans sind keine Verbrecher" mag, obgleich natürlich richtig, für manchen bislang nach hohler Phrase seitens der für solche mitunter bekannten Ultràs geklungen haben, spätestens durch diese erniedrigende und empörende Behandlung aber wird diese Formel zu einer notwendigen Forderung an die DFB- und DFL-Oberen. Allein: Es fehlt der Glaube, dass deren Realitätsferne überwindbar ist. Man wünscht sich direkt die Herren Rauball, Zwanziger und Konsorten oder wer auch immer dafür verantwortlich zeichnet, mögen fortan, jedesmal wenn sie ein Kaufhaus verlassen, in dem schon mal ein Ladendiebstahl stattgefunden hat, gründlichsten Leibesvisitationen unterzogen werden. Schließlich gehören sie ja ihrer eigenen Logik nach ebenfalls zu potentiellen Ladendieben und müssen fortan immerfort auch als solche behandelt werden.

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