Dienstag, 12. November 2013

Weiß und weiß und ein betrunkener DFB

1928, Olympische Spiele in Amsterdam. Die Fußballnationalmannschaft des deutschen Reichs gewinnt das Achtelfinale mit 4:0, nur um dann im Viertelfinale sang- und klanglos gegen Uruguay mit 4:1 nach Hause geschickt zu werden.

An dieses glorreiche Auftreten möchte der DFB erinnern und anknüpfen. Anders ist die Wahl des Trikots der deutschen Nationalmannschaft für die Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien nicht zu erklären. Damals, 1928, war es meines Wissens nach das letzte Mal, dass eine deutsche Fußballnationalmannschaft mit einem roten Brustring auf weißem Grund und, vor allem, mit dazugehörenden weißen Hosen auftrat.

Über Geschmack läßt sich bekannterweise vortrefflich streiten. Das Trikot der Nationalmannschaft hat in dieser Hinsicht in den vergangenen fünfundzwanzig Jahren dieses Soll so manches Mal übererfüllt. Man denke an die furchtbaren Karos bei der WM 94, bei der glücklicherweise kein Titel gewonnen wurde, so dass es fast gelingen konnte diese ästhetische Grausamkeit aus dem Gedächtnis zu streichen. Auch andere Verschmückungen des Oberteils des Trikots waren eher zum wegsehen. Nun also ein dicker roter Brustring, der leicht V-förmig daherkommt. Schön ist anders, aber um ehrlich zu sein, es gab schon häßlicheres.

Aber das gute war ja, dass dem gemeinen Fernsehkonsumenten in der leider immer seltener werdenden Totalen diese Verunzierungen gar nicht so auffielen. Die Jungs da in den weißen Stutzen, den schwarzen Hosen und dem weißen Trikot mit irgendwelchen unwichtigen bunten Schnörkeln drauf, das war die deutsche Nationalmannschaft.
Damit ist es vorbei. Denn in Zukunft, also für das nächste Turnier, danach ist mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wieder alles anders, spielt die deutsche Nationalmannschaft ganz in Weiß. 85 Jahre Tradition werden ohne Not in die Tonne getreten. Eine Tradition, die der DFB bislang selbst heiligte: seit 2006 gilt der recht stupide gehaltene Pocher-Song "Schwarz und Weiß" als offizieller Nationalmannschaftssong. Wir dürfen uns schon freuen auf die neue Version "Weiß und Weiß".

Den größten Vogel bei dieser völlig verunglückten Marketingnummer schoss allerdings Ausrüster Adidas ab. Statt das Trikot samt falschfarbiger Hose peinlich berührt still und heimlich unter die Leute zu bringen, machen sie auch noch darauf aufmerksam. Und nun, liebe Leserinnen und Leser, halten Sie sich fest: der Slogan zum Trikot heißt: "Unsere Farben oder keine". Ist das zu glauben?
Für wie blöd halten die uns? Erst bringen sie ein Trikot auf den Markt, das nichts mit "unseren" Farben zu tun hat und dann so ein Slogan?

Und das Adidas bei dieser peinlichen Angelegenheit ein gewaltiges Wort mitgesprochen hat ist zu vermuten: die Spanier, auch ausgerüstet von Adidas, laufen zukünftig in roten statt in blauen Hosen auf (was sie noch nie taten), den Argentiniern nahmen sie anscheinend die schwarze Hose und ersetzten sie ebenfalls durch eine weiße.
So weit, so schlecht, es ist das gute Recht eines Ausrüsters, völlig idiotische Ideen vorzuschlagen, die Frage, die beantwortet werden muss lautet: wie betrunken war der DFB, als er sich von Adidas über den Tisch ziehen lies?
a) Meyer-Vorfelder
b) Schodall besofifnfinene - hicks

So bleibt also nur zu hoffen, dass die deutsche Nationalmannschaft möglichst sang- und klanglos auscheidet, denn einen Erfolg hat dieser seelenlose Verband nicht verdient.

Ach so, wollen wir noch über das Auswärtstrikot reden? Dieses ist zwar noch nicht offiziell vorgestellt, da die Gerüchte über die weiße Hose aber stimmten, dürften auch diese stimmen: in dicken schwarzen und roten Querstreifen soll es daherkommen und so an den brasilianischen Verein Flamengo erinnern. Wenn das Mode wird, freue ich mich schon auf die WM in Katar und die Auswärtstrikotreminizenz der deutschen Nationalmannschaft an den dort heimischen Verein al-Wakrah SC. Mit Argentinien dürfte es da keine Probleme geben, wenn Adidas weiterhin machen darf was es will, spielen die Gauchos bis dahin vermutlich in brasilianischem Gelb-Blau oder so.

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