Mittwoch, 16. Mai 2012

Platzstürme, das Spektakel und das Gesetz vom heiligen Rasen.

An Tagen wie diesen scheint eine Differenzierung besonders schwer zu fallen und es wird zusammen geworfen, was nicht zusammen gehört.
Zweimal wurde das gestrige Relegationsspiel aufgrund der Zuschauer unterbrochen. Das erste Mal, als in der 60. Minute Fans beider Mannschaften zeitgleich bengalische Feuer entzündeten und aus dem Gästeblock jede Menge dieser Fackeln auf das Spielfeld geworfen wurden. Und das zweite Mal, als Fortuna-Fans, in der irrigen Annahme das Spiel sei abgepfiffen worden, in der durch den ersten Vorfall nötig gewordenen Nachspielzeit das Feld stürmten, um den Aufstieg zu feiern.

Und so wird der gestrige Abend in einen Zusammenhang gebracht mit den Vorkommnissen im Relegationsspiel zwischen dem KSC und dem Jahn aus Regensburg, als frustrierte KSC-Anhänger nach dem Spiel randalierten und 76 Verletzte eine deutliche Sprache sprechen; mit dem Saisonende in Köln, als zum Spielende schwarze Rauchtöpfe die Südtribüne kurzzeitig verschwinden ließen; mit den Platzstürmen in Frankfurt in der vergangenen Saison und in Berlin in der Saison davor; mit Pyroeinsätzen in diesem und jenem Stadion an einem ganz normalen Spieltag. Alles ganz schlimm, Untergang des Abendlandes allerorten.
Dabei fällt es eigentlich nicht schwer, unterschiedliche Motivlagen zu erkennen: Der Düsseldorfer "Platzsturm" gestern Abend war nichts weiter als ein verfrühtes Feiern auf dem Rasen, vermutlich reichte es, dass zwei, drei Fans zu früh losstürmten, um die feierwütige Masse mit sich zu reißen. Diese jubelnden Zusammenkünfte auf dem Grün sind mittlerweile völliger Usus geworden - man denke zum Beispiel an die Dortmunder Meisterfeier, als die BVB-Spieler improvisiert die Meisterschale auf der Tribüne in Empfang nehmen mussten, weil der Rasen voll war. Dass die gestrige feierliche Zusammenkunft zwei Minuten zu früh stattfand, zeugt allerhöchstens von Dummheit und schlechter Ordnerorganisation, denn die den Rasen stürmenden Fans waren zu dem Zeitpunkt längst über die Banden und Balustraden geklettert und standen, zwar außerhalb des Spielfeldes, im Innenraum.

Von anderer Qualität waren sicherlich die Berliner Fackelwürfe. Ich bin in der bisherigen Pyrodiskussion eher unentschiedener Meinung gewesen, das Abbrennen bengalischer Feuer ist durchaus ein hübscher Anblick, die Verfolgung dessen nimmt manches mal absurde Ausmaße an, die mediale Doppelmoral (Südliches Ausland: Ooh! Aah! Toll! Atmosphäre! Temperament! - Hierzulande: Chaoten! Krawallmacher! Terroristen!) ist hochnotpeinlich - das aber so oder so bestehende Gefahrenpotential macht es mir schwer, Pyroeinsatz uneingeschränkt zu verteidigen. "Kontrolliertes Abbrennen" ist eine Bedingung, auf die sich viele Pyrobefürworter einlassen wollen, allein, es gibt Anlass zu der Sorge, dass die meisten der derzeitigen Pyrofreunde an einem solchen zeitlich und örtlich reglementierten Abbrennen gar kein Interesse hätten. Aufmerksamkeit lässt sich somit nämlich kaum erzielen.
Was ist also los? Warum gibt es plötzlich eine Häufung von Platzstürmen und Gegenständen, die auf das Feld fliegen? Gibt es sie überhaupt oder ist nur die mediale Überwachung so groß geworden, seitdem jedes Spiel, jeder Spieler und auch jede Bewegung des einzelnen Fans in zwölf verschiedenen Kameraperspektiven ausgeleuchtet wird, dass jede noch so kleine Regung übergroß wirkt?

Wenn wir mal davon ausgehen, dass an beidem ein Stück Wahrheit klebt, bleibt also die Frage, warum diese Häufung? Eigentlich haben DFL, DFB und die Vereine aus ihrer Sicht doch alles getan, um solche Vorkommnisse einzugrenzen: Die Stadien versitzplatzt, die Eintrittpreise dementsprechend angehoben, Familienblöcke und rauchfreie Stadien eingeführt, alkoholfreie Hochsicherheitsspiele etabliert. Unsere Stadien sollen schöner werden und gemeint ist damit auch immer: sicherer, familienfreundlicher, kontrollierbarer. Doch Platzstürme und fliegende Gegenstände häufen sich. Trotzdem. Oder gerade deswegen.

Immer häufiger nämlich, so meine These, haben aktive Fußballfans, jene, für die ihr Fußballverein die größte Priorität im Leben darstellt, das Gefühl, ohnmächtig und ungewollt am Rande zu stehen. Jene, häufig Ultras - was hier aber von sekundärer Bedeutung ist - die oft nicht zu Unrecht den Eindruck haben, dass ihr Beitrag zur Stimmung, die wiederum gewichtiger Bestandteil bei der sich mit klingender Münze auszahlenden Spektakelisierung ist, zwar gerne gesehen und sogar einfordert wird, sie über dieses Engagement hinaus aber nicht erwünscht sind. Was bleibt ihnen also, um die Aufmerksamkeit zu erlangen? Stimmungsboykotte führen in der Regel maximal dazu, dass hinterher festgestellt wird, die Stimmung sei schlecht gewesen, fortbleiben ist keine Alternative. Also bleibt nur das tatsächliche sich-sichtbar-machen, das im Mittelpunkt stehende Grün mit Körpern zu bevölkern, sei es den eigenen oder Brennkörpern oder wenigstens die Distanz zwischen Kamera und Rasen zu bewölken.

Natürlich liegt dieser These eine Subthese inne, die auf den ersten Blick unsinnig erscheint: Die nämlich, dass es früher - wenn es denn stimmt, dass es zu einer Häufung gekommen ist - anders war, die aktiven Fans mehr Einfluss, mehr Sichtbarkeit hatten. Das wäre so natürlich in der Tat Unsinn. Schon immer gab es Spieler, deren Unfähigkeit oder Phlegmatismus den eigenen Verein in den Abgrund stießen - ohne dass sie die Fans dazu um Meinung gefragt hätten. Und vermutlich kann man sagen, dass Vereinsführungen in früheren Zeiten noch autokratischere und autoritärere Züge hatten. Was sich allerdings im Zuge der Spektakelisierung verändert hat, ist der allseitige Erwartungs- wie auch Finanzdruck: Zwar ist auch die zweite Liga heutzutage jede Saison "die beste zweite Liga aller Zeiten!", doch die richtige Show gibt es nur im Oberhaus. Dass der finanzielle Schaden eines Abstieges und die damit verbundene Androhung der Bedeutungslosigkeit des Vereins größer geworden ist, steht außer Frage. Die aktiven Fans, jene, die möglicherweise 34 Spiele ihres Vereins in den Stadien verfolgen, haben das Gefühl, dass ihr Aufwand ihnen ein Anrecht auf gute Leistungen auf dem Platz und in den Führungsetagen gibt, alles andere wird als Verstoß gegen dieses Recht empfunden. Die Medien brauchen und fordern Stimmung, gute wie schlechte - als das Kölner Stadion am Abstiegstag in den letzten Minuten in schwarzen Rauchwolken verschwand, beschwerte sich das Fernsehen ob der dadurch verhinderten "emotionalen Bilder der Trauer". Und auch die weniger aktiven Fans möchten ihr ganz großes Erlebnis haben, der Düsseldorfer Platzsturm ging gestern von den Sitzplätzen aus, die dort heimischen Zuschauer wollten nur das, was die Dortmunder knapp anderthalb Wochen zuvor hatten und vom Fernsehen als Bilder der ungebremsten Freude gefeiert wurde.

Was kann also getan werden? Was die DFL und DFB tun werden, lässt sich leicht ausrechnen, in einer ersten Pressemitteilung zum gestrigen Abend wird ausschließlich von "Randalierern und Gewalttätern" gesprochen, für die ziemlich offensichtliche Erkenntnis, dass weite Teile der "Vorkommnisse" ganz sicher dumm, möglicherweise auch ahndungswürdig waren, in keinerweise aber mit Randale und Gewalttätigkeit zu tun hatten, fehlt es den Herren offenbar an intellektueller Kombinationsfähigkeit. Schlimmste Konsequenzen sind zu befürchten, die richtigen werden nicht dabei sein.
Doch niemand seitens der Fans und Zuschauer mache es sich zu einfach, auch hier ist ein Umdenken erforderlich. Der erste Schritt sollte das von mir sogenannte Gesetz des heiligen Rasen sein: Wut, Trauer, Freude - alles erlaubt. Doch der Rasen ist tabu, für die Zuschauer und für, für die sportlichen Akteure gefährliche, Gegenstände oder sonstiges sowieso: Kein Fuß, keine Münze, kein Bierbecher, keine Pyrotechnik. Ohne Ausnahme. Wer sich nicht daran hält, fliegt aus der Kurve, aus der Gegengerade, aus dem Stadion. Wer nicht in der Lage ist, seine Emotionen soweit unter Kontrolle zu haben, dass er vor körperlicher Gewalt nicht zurückschreckt - und nichts anderes ist der Münz- oder Fackelwurf - lässt die Grundvoraussetzung missen, die notwendig ist, um sich mit vielen zehntausend anderen in emotionaler Atmosphäre auf engstem Raum aufzuhalten, hat das Anrecht sich in einem Fußballstadion aufzuhalten, verwirkt. Und nein, das ist kein Ruf nach Stadionverboten - DFL, DFB und Polizei haben oft genug bewiesen, dass sie nicht in der Lage sind mit diesem Sanktionsmittel in rechtsstaatlicher Weise umzugehen - sondern nach einem selbstauferlegten Ethos der Fußballzuschauer.
Und schließlich muss Schluss sein mit der medialen Doppelmoral, die permanent ein Höher-Weiter-Größer fordert und fördert, nicht nur beim sportlichen Tun auf dem Rasen, sondern auch bei der in die Fernseher der Republik übertragbaren Eventisierung des Fußballs, die aber gleichzeitig Auswüchse wie die von Frust getragenen Abstiegsplatzstürme anklagt, um daraus sofort das nächste Spektakel zu basteln.

Wer Emotionen und nicht nur von oben choreografierte Klatschpappenstimmung in einem Fußballstadion will, muss damit leben, dass diese nicht immer in Gänze zu kontrollieren und zu steuern ist. Wer seine Emotionen in einem Fußballstadion, ob in Form von Unterstützung seiner Mannschaft oder als neutraler Fußballliebhaber, ausleben möchte, muss lernen sich zu kontrollieren. So einfach ist das.

Dienstag, 10. April 2012

GrünWeisses anhören.

Heute gibt es von mir nichts zu lesen, dafür aber, wer mag, zu hören. Tobias und Anna machen den Grünweißen Podcast-Stammtisch und haben sich gestern über ihr Team, Werder Bremen, zwischen den Spielen gegen den ruhmreichen 1.FC Köln am vergangenen Samstag und dem heute gegen die Bökelbauern aus Ostholland unterhalten. Zu ersterem Thema hatten sie die überaus freundliche Idee, mich per Skype zu befragen, zu meiner Sicht des Spiels, des Vereins und der Restsaison. Anhören könnt Ihr Euch das HIER.

Donnerstag, 5. April 2012

Der Trainer, die Mannschaft und der ganze Rest.

Vieles ist geschehen in den vergangenen Tagen beim Verein, bei dem es leider niemals langweilig wird. Wo fangen wir an, wo hören wir auf?

Beginnen wir mit der Trainerfrage.
Wer dieses Blog oder mich oder beides kennt, weiß, dass ich gewiss nicht zu jenen gehöre, die in einer vertrackten sportlichen Situation einen Trainerwechsel für ein erfolgsversprechendes Rezept halten. 21 Trainer nahmen in den vergangenen 20 Jahren auf der Trainerbank des 1.FC Köln Platz (inklusive 4 Interimstrainer), Kontinuität in Trainingsarbeit, taktischer Marschroute sowie Mannschaftsführung und -zusammenstellung ist also seit zwei Jahrzehnten ein Fremdwort in der Domstadt - um zu erkennen, dass dabei nichts Gutes herauskommen kann, muss man kein Fußballexperte sein. Trotzdem sind Zweifel an der Arbeit Ståle Solbakkens durchaus verständlich. Ließen sich anfängliche Schwierigkeiten noch mit der Systemumstellung rechtfertigen, ist der Absturz in der Rückrunde eher kein Aushängeschild für den Norweger. Es gibt eine Reihe von Faktoren, die für die schlechte Leistung der Mannschaft herangezogen werden können und auch in Artikeln, die sich mit dem Problem beschäftigen, herangezogen werden: Die permanente Unruhe im Verein, angefangen bei der plötzlichen Demission des Ex-Präsidenten Overaths bis hin zu den angeblichen Machtkämpfen zwischen dem inzwischen entlassenen Sportdirektor Finke und Solbakken zum Beispiel. Oder die seit Jahren immer wieder erhobene Behauptung, die Mannschaft sei alles Andere als das, nämlich eben keine Mannschaft. Aber spätestens der letzte Punkt fällt auch in den Aufgabenbereich eines Trainers, ist also ein Punkt, der eher nicht zur Entlastung Solbakkens beiträgt. Die Zwickmühle, in der der Verein hinsichtlich seines Trainers steckt, zeigt sich bestens am Festhalten des Trainers an seiner taktischen Marschroute, die unter anderem zu der höchsten Anzahl an Gegentoren in der Liga führte: Einerseits ist der Abstieg mittlerweile ziemlich wahrscheinlich geworden - aber des kurzfristigen Erfolges zu Liebe wieder mitten im Rennen die Pferde zu wechseln, würde möglicherweise unter günstigsten Umständen den Klassenerhalt bringen, das Areal der verbrannten Erde aber um viele Hektar vergrößern. Das Beharren des Trainers auf seine taktische Idee gegen Widerstände innerhalb der Mannschaft und das Festhalten des Vereins am Trainer sind Neuland für den 1.FC Köln und dringend notwendig - koste es, was es wolle. Das würde allerdings auch bedeuten, dass der Verein sein am vergangenen Sonntag entgegen der allgemeinen Erwartung ausgesprochenes Vertrauen in Solbakken auch bei einem Abstieg aufrechterhalten müsste und mit dem Trainer in die zweite Liga gehen müsste. Das allerdings darf, trotz der extrem hohen Sympathiewerte, die der Norweger aufgrund seiner lockeren Art und aufgrund der medialen Zuschreibung als der Gute im Kampf zwischen Finke und Solbakken genießt, bezweifelt werden. So bleibt dem FC-Fan nicht viel anderes übrig, als sich an den dürren Strohhalm der Hoffnung auf Klassenerhalt zu klammern und darauf zu setzen, dass auch ein Verbleib in der ersten Bundesliga zu der anscheinend nötigen Reinigung in der Mannschaft führt.

Die Mannschaft
Und diese Reinigung scheint bitter nötig. Wieder und wieder wird davon berichtet, die Mannschaft zerfalle in einzelne Gruppen, namentlich genannt wird dabei immer wieder die sogenannte "Portugal-Fraktion", der der mit einem Gnadenvertrag ausgestattete Petit, der ausgeliehene Henrique Sereno, sowie die beiden Brasilianer Andrézinho und Pedro Geromel angehören sollen. Schon unter Frank Schaefer soll sich die Gruppe quergestellt haben und auch jetzt wird ihr dies vorgeworfen. Dafür spricht, dass sowohl Petit (in dieser Saison noch kein Spiel) und Andrézinho (7 Saisoneinsätze) zu den vier von Solbakken in dieser Woche ausgemusterten Spielern gehören - zwei Spieler also, die keinen direkten Einfluss auf die schlechten Leistungen der Mannschaft haben können, also nicht aufgrund solcher suspendiert worden sind. Ein Indiz, nicht mehr, gewiss. Dass weder Geromel noch Sereno suspendiert worden sind, sagt nicht viel: Will der Verein die Klasse halten, kann weder auf den einen noch auf den anderen - trotz Formkrise im Fall des Kapitäns Geromel – verzichtet werden, wenigstens als Reservespieler.
Die größte Überraschung des suspendierten Quartetts ist sicherlich Kevin Pezzoni, ein Mann mit limitiertem fußballerischen Können, den schon manch Fan längst auf die Tribüne gesetzt hätte, der aber beim Trainer bislang einen erstaunlich hohen Kredit besaß. Umso erstaunlicher, dass dieser Pezzoni nun aussortiert. Ähnliches könnte man über die Degradierung Millivoje Novakovics sagen, der Stürmer spielt seit sechs Jahren beim FC und schoss in ligaübergreifenden 183 Spielen 81 Tore - seine diessaisonale Formkrise ist sicherlich Grund dem Slowenen eine "Denkpause" zu verordnen und ihn auf die Bank zu setzen - aber Suspendierung aufgrund schlechter Form in einer Mannschaft, deren schlechtes Offensivspiel einem Stürmer nicht gerade hilft zu glänzen? Dann aber denkt man an die sich seit Jahren sehr hartnäckig haltenden Gerüchte, Novakovic stünde dem Express sehr nahe - nach anfänglichen Schwierigkeiten verhöhnte das Blatt noch als "Novakonix", seit Jahren aber verliert der sonst so gerne zu vernichtender Kritik neigende Express kein schlechtes Wort mehr über den Stürmer, egal wie schlecht er spielt. Passend dazu ist jedenfalls, dass der stets bestens informierte Express aus dem zweitägigen Trainingslager, zu dem das Quartett der Suspendierten nicht mitreisen durfte, nichts zu berichten wusste. Stattdessen gab es Berichte über das Ersatztraining der vier "Ausgestoßenen", mit unkommentierten Beschwerden Novakovics und Pezzonis. Quelle Surprise.

Die Medien
Damit wären wir beim alten, leidigen Dauerthema beim FC und gezwungenermaßen auch in diesem Blog: Die Kölner Medienlandschaft. Man sollte meinen, der am vergangenen Sonntag erlittene Super-GAU, als erst der Express, dann der heute in Diensten des Senders SKY stehende ehemalige Pressesprecher des FC, Christopher Lymberopoulos, und schließlich alle Medien der Republik verkündeten, der FC werde Solbakken entlassen und stattseiner Frank Schaefer wieder als Cheftrainer einsetzen, habe etwas verändert. Das hat es natürlich nicht. Statt vor der eigenen Tür zu kehren, wurde die mediale Bruchlandung flugs zu einem Beleg für die chaotischen Verhältnisse innerhalb des Vereins umgedichtet, frei nach dem Motto: Wenn Ihr nicht den Trainer entlasst, wenn wir das verkünden, seid Ihr ein Chaosclub. Das reizte auch den Trainer so sehr, dass er noch zwei Tage später vor versammelter Medienschar wütend wurde und mehr Respekt verlangte - er sei schließlich immer offen und fair mit den Medienvertretern umgegangen, er könne auch aufhören mit den Medien zu reden und "dann könnt Ihr alle Eure Informanten benutzen. Ich glaube es gibt viele in diesem Verein. Und das finde ich sehr schlecht." Ein Grund mehr am Trainer festzuhalten.

Die Zukunft
Blickt man auf die Tabelle, weiß man, dass das Spiel am Samstag gegen Werder Bremen ein sehr wichtiges ist. Wie jedes Spiel, das noch folgt in dieser Saison. Es ist nicht das Entscheidungsspiel, als welches es mittlerweile gilt. Die drei Punkte eines Sieges werden einen möglichen Abstieg nicht verhindern. Den Abstieg verhindern kann nur eine deutliche Leistungssteigerung über die gesamte Zeit der Restsaison. Wichtiger noch als die drei Punkte ist also ein besseres Funktionieren der Mannschaft, das Restprogramm hat es in sich - neben den klar überlegenen Mannschaften aus München, Stuttgart und Mönchengladbach warten noch der wiedererstarkte SC Freiburg und ein Auswärtsspiel in Mainz, welches der 1.FC Köln in neun Versuchen erst einmal siegreich gestalten konnte. Drei irgendwie errungene Punkte gegen Bremen wären also sicher gut für die Mannschafts- und Fanseele, werden aber nicht ausreichen, um den Absturz noch zu verhindern.

Dienstag, 13. März 2012

Von einem der auszog, die Macht des Boulevards zu brechen und verlor

Jochen Hilgers, WDR Redakteur und Kenner des 1. FC Köln, am vergangenen Sonntag in Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs zu der Entlassung von Volker Finke:
"Finke hat es jedenfalls die ganze Zeit nicht geschafft, den Kölner Boulevard hinter sich zu bringen, sondern die großen Zeitungen in Köln waren eigentlich schon ziemlich früh von Finke nicht besonders gut überzeugt. Ich erinner mich auch an seine allererste Pressekonferenz, die er gegeben hat, da hat er seine Handynummer an die Journalisten ausgegeben, hat gesagt, ihr könnt mich dann erreichen zwischen 16.00 und 18.00 Uhr, da guckten die alle schon ganz komisch, vor allen Dingen die Kollegen von Bild und Express, und da sagt der Finke, nee, nee, Ihr habt mich nicht* ganz recht verstanden: Mittwochs von 16.00 bis 18.00 Uhr und damit war das Verhältnis von vorne herein eigentlich schon vergiftet. Das sind zwar Kleinigkeiten, zugebenermaßen, aber das merken sich die Journalisten und von da an hatte Finke immer einen schweren Stand, zumindestens in den Medien."

Noch Fragen?



* Das Interview mit Hilgers wurde am Telefon geführt und ich kann an dieser Stelle nicht genau verstehen, ob Hilgers Finke mit den Worten "Nee, nee, Ihr habt mich NICHT ganz recht verstanden.." oder "Nee, nee, Ihr habt mich SCHON ganz recht verstanden.." zitiert. Ändert ja aber am Inhalt nichts.

Montag, 12. März 2012

Das krude Rechtsverständnis des DFB

Es ist gekommen, wie erwartet, weshalb Empörung sich nicht so recht einstellen möchte - dabei wäre sie ganz und gar angebracht.
Das Sportgericht des DFB hat heute die Strafen für die Kölner Spieler Mato Jajalo und Lukas Podolski bekannt gegeben, die beide im Spiel gegen Hertha BSC am vergangenen Samstag von Schiedsrichter Winkmann des Feldes verwiesen wurden.
Und während man über Jajalos Hinausstellung diskutieren könnte - die Entscheidung an sich ist vertretbar, im Kontext der Spielleitung Winkmanns bis zu dieser 66. Minute allerdings vollkommen deplaziert und unangemessen - möchte eigentlich niemand über die Fehleinschätzung Winkmanns hinsichtlich Podolskis roter Karte diskutieren. Nicht einmal Levan Kobiashwilli, angebliches Opfer einer von Winkmanns Assistenten erfundenen Attacke Podolskis, teilt dessen einsame Auffassung, der Kölner habe eine Tätlichkeit begangen.
Die Sache ist also sehr eindeutig: Podolski hat keine bestrafungswürdige Tat begangen, ist unschuldig. Nichtsdestotrotz hat das Sportgericht des DFB Lukas Podolski für ein Spiel gesperrt, Mato Jajalo mit der für ein "einfaches Foul" (also im Gegensatz zu Tätlichkeiten, Schiedsrichterbeleidigungen o.ä.) Höchststrafe von drei Spielen.
Wie anfänglich gesagt: Legt man den üblichen Umgang des DFB mit solchen Fällen zugrunde, gibt es hier keinen Skandal. Bis auf zwei Ausnahmen (Sergej Barbarez, 2001, Hasan Salihamidzic, 2003) folgte bislang auf einen Platzverweis immer mindestens eine Sperre von einem Spiel. "Automatische Sperre" nennt sich diese Praxis und hat mit einem demokratischen Rechtsverständnis nichts zu tun, da sie vorsieht, dass ein von der Exekutive (hier: der Schiedsrichter) zu Unrecht bestrafter Unschuldiger auch von der Judikative (hier: das Sportgericht des DFB) bestraft wird. Automatisch.
Grund für diese hanebüchene Praxis soll vorgeblich der Schutz des Schiedsrichters und seiner Autorität sein: Eine vom Schiedsrichter getroffene Entscheidung kann und will der DFB nicht rückgängig machen, selbst wenn sie offensichtlich falsch ist. So soll der Schiedsrichter und seine Entscheidungsgewalt gestärkt werden. Tatsächlich passiert das Gegenteil: Denn nur dann, wenn der Schiedsrichter hinterher in seinem Spielbericht zugibt, einen Fehler begangen zu haben, fühlt sich der DFB berechtigt, auf eine Sperre zu verzichten, also den Irrtum des Spielleiters auch seinerseits zuzugeben. Schiedsrichter aber sind fehlbar, wie auch alle anderen Teilnehmer des Spiels, ob aktiv auf dem Rasen oder passiv auf den Rängen und / oder in den Blogs und das ist Teil des Spiels. Die Spielleiter zu stärken hieße eben nicht, ihre Fehler zu deckeln, zu vertuschen und wegzulügen. Aber genau dies tut der DFB und das mit voller Absicht und sehenden Auges. "Tatverdächtiger, sie sind erwiesenermaßen unschuldig, wir bestrafen sie trotzdem, um nicht zugeben zu müssen, dass unser Schiedsrichter einen Fehler gemacht hat."
Was der DFB also mit dieser unglückseligen Praxis vermittelt ist, dass Wahrheit sich nicht lohnt und Unschuld unwichtig ist. Eine Haltung, die dem vom DFB selbst vermittelten Image natürlich diametral gegenübersteht.
Noch aber besteht Hoffnung für einen Einsatz Podolskis im nächsten Spiel, der 1. FC Köln hat Einspruch eingelegt. Zu erwarten ist die Kehrtwende des DFB-Sportgerichtes nicht, deshalb - und weil es mir hier nicht nur um den Fall Podolski geht, sondern um die völlig absurde Vorgehensweise einer von der Schuld unabhängigen automatischen Strafe - kann man nur hoffen, dass der DFB möglichst bald zu Vernunft und einem Rechtsverständnis, das diesen Namen auch verdient, findet und dieses willkürliche Gebahren in der Rechtssprechung abschafft.

Dienstag, 7. Februar 2012

Legendenbauen live.

Manchmal ist diese mediale Mache so durchschaubar, dass man sich fragt, für wie einfältig die Machenden ihre Leser eigentlich halten. Heute im Kölner Stadt-Anzeiger zum Beispiel.

Die Vorgeschichte ist bekannt: Die Stürmersuche des FC im diessaisonalen Wintertransferfenster entwickelte sich zu einem wunderhübschen Stück Schmierenkomödie, dessen Verlauf bestens von donluka drüben bei spox wieder gegeben worden ist, weshalb ich hier das Ganze nicht noch einmal aufdröseln möchte. Für den faulen Leser nur eine kurze Inhaltswiedergabe: Nach wochenlanger Stürmersuche und vielen von der Presse gehandelten Hochkarätern präsentierte der FC am Ende den Ex-Bochumer Chong Tese. Über das Zustandekommen des Transfers gibt es verschiedene Versionen, in den meisten dieser Geschichten gibt es den sympathischen Protagonisten - Trainer Solbakken - welcher den Nordkoreaner, Südkoreaner und Japaner je nach Version entweder gar nicht haben wollte, gar nicht gefragt wurde oder davon, dass kein Geld für einen der anderen Kandidaten da war, nicht begeistert war, und den machtgierigen Antigonisten - Sportdirektor Finke -, der über alte Kanäle (in diesem Fall: Jens Todt, ehemaliger Spieler unter Finke, jetzt Bochumer Manager), was aus einem mir nicht bekannten Grund etwas Böses ist, schlechte Stürmer kauft, um dem 1. FC Köln zu schaden. Oder so ähnlich.

Lange Rede, kurzer Sinn: Chong Tese gilt als Finke-Mann. Nein, genauer gesagt: Als Finke-Flop. Hat zwar noch keine Sekunde gespielt, aber mit solcherlei Sperenzien müssen sich Neuzugänge in Köln auch nicht aufhalten, um als Flop oder Top eingestuft zu werden.

Nun kam das erste Spiel mit "dä Chines" im Kader. Im Kader, wohlgemerkt, nicht auf dem Spielfeld. Dass Tese nicht von Beginn an dabei sein würde, war klar, das gab auch wenig Interpretationsspielraum nach gerade mal drei Tagen im Mannschaftstraining. Eingewechselt würde er auch nicht werden, wußte der Express schon drei Tage vor dem Spiel und sollte recht behalten, statt seiner wurden die beiden Offensivkräfte Odise Roshi und Mikael Ishak ins Spiel gebracht.

Und bekanntermaßen erfolgreich: Der Albaner Roshi schoß das Tor des Tages. Was die freudig gelöste Runde, der ich im Anschluß an das Spiel beiwohnte, dazu veranlaßte zu witzeln, dass der Torschütze nun bestimmt zu einem Solbakken-Liebling ernannt werden würde, um die hübsche Geschichte des Zwistes noch ein wenig abzurunden, frei nach dem Motto "Finke-Flop Tese auf der Bank, Solbakken-Star Roshi schießt das Tor", unter Umgehung der Tatsache, dass beide, sowohl Solbakken als auch Roshi zeitgleich zum FC kamen und von Finke verpflichtet wurden.

Gut, Solbakken-Star steht da nicht, aber "Solbakkens Entdeckung Odise Roshi" ist eigentlich noch viel, viel besser. Well done, Kölner Stadt-Anzeiger. Später, wenn ich die Weltherrschaft an mich gerissen habe und meine Diktatur eingerichtet habe, hätte ich Euch gerne als Chefpropagandisten. Ginge das?

Donnerstag, 5. Januar 2012

Wahl zum Sportbloggerbeitrag des Jahres 2011

Zum dritten Mal steht dieser Tage die Wahl zum Sportbloggerbeitrag des Jahres ins Haus. Das ist eine gute Nachricht. Eine schlechte gibt es aber auch.
Die gute Nachricht ist: Es gibt eine Liste von 11 nominierten Artikeln, die aus einer vom Sportbloggernetzwerk über das Jahr hinweg gesammelten Vielzahl von Artikeln ausgewählt wurden, die ein großes Vergnügen darstellt. Da gibt es Perlen, Juwelen und Perljuwelen. Die gesammelten Werke findet Ihr in Madame Jekyllas "Fabulous Sankt Pauli" Blog. Habt Freude!
Kommen wir zu der schlechten Nachricht: Das Lesevergnügen kommt nicht umsonst. Am Ende steht für Euch, werte Leser, nämlich die schwere Qual der Wahl - welcher Artikel dann tatsächlich Sportbloggerbeitrag des Jahres wird, darüber entscheidet nämlich Ihr und Wir und Alle: Per Abstimmung, die auch bei Jekylla zu finden ist. Noch bis zum 15.1. habt Ihr die Möglichkeit Eure Stimme abzugeben.
Für mich persönlich hat das Ganze noch eine weitere gute Seite, ich stehe selbst nämlich auch auf der Nominierten-Liste, und zwar mit diesem Beitrag hier. Hurra! Eine Saalrunde für alle! Ich freu mich natürlich über jede Stimme, aber mal ernsthaft - da ist so viel verteufelt gutes Zeug dabei, dass die Nominierung an und für sich mich schon vor Stolz platzen lässt. Also, lest Euch die Augen wund und sucht Euch einen hübschen Artikel aus.
Viel Spaß.

Montag, 5. Dezember 2011

Was es zu holen gab in Stuttgart

Es ist ja mittlerweile gute Tradition geworden, das der 1. FC Köln in Stuttgart beim dortigen VfB gut aussieht, jedenfalls was die Punkteausbeute angeht. Seit ca. 24307 Jahren nicht mehr verloren, so wurde vor dem Spiel am vergangenen Wochenende allenthalben vorgerechnet. Selbst die Stuttgarter selbst sahen das so. Und in der Tat, gelang es dem FC ungeschlagen und mit einem Punkt mehr auf dem Punktekonto nach Hause zu fahren.

Es mag auf den ersten Blick in Anbetracht der Tabellensituation arrogant klingen, aber dieser eine Punkt war keineswegs das wichtigste schwäbische Souvenir, das seinen Weg in die Domstadt fand. Viel wichtiger war der späte Ausgleich in Hinsicht auf die Moral.

Eine der übelsten, den FC seit mittlerweile geraumer Zeit begleitende, Krankheit ist nämlich bekanntermaßen die sogenannte hängende Schulter, deren Symptome - Verlust jeglicher positiver Körpersprache, Fortfall der strukturellen Ordnung, Einbuße des Glaubens an die eigenen Fähigkeiten - besonders stark nach Gegentoren zu Tage treten. Ein Spiel, wie es in der ersten Halbzeit gegen Stuttgart zu sehen war, in Form einer frühen Führung aus einer sehr defensiven Grundhaltung heraus und trotzdem zwei folgende Gegentore noch vor der Pause, ist der allerbeste Nährboden für diese Krankheit. So nahm es kein Wunder, dass die FC-Spieler vom Feld schlichen als der Halbzeitpfiff ertönte und schlimmstes musste für die zweite Halbzeit erwartet werden. Sicherlich nicht, dass da noch irgendwas zu holen sei.

Doch es kam anders und das ist hoffentlich etwas, das mitgenommen werden kann: Der FC begann die zweite Halbzeit deutlich druckvoller als er die erste beendete, der vielgerühmte Wille war erkennbar. Noch immer gab es eine unglaubliche Anzahl an Fehlpässen, noch immer haarsträubende Abwehrfehler und ja, der VfB trug auch sein Scherflein dazu bei, dass der Vorsprung nicht größer wurde. Odise Roshi machte auf dem rechten Flügel zwar nicht das Spiel seines Lebens, war allerdings deutlich auffälliger als Christian Clemens, der auf gleicher Position in Halbzeit Eins gerade mal auf 0,7 Ballkontakte gekommen war. Dadurch hatte das Spield des FC plötzlich zwei Flügel, ein großer Vorteil, will man ein Fußballspiel erfolgreich gestalten.

Und selbst zum Schluß hin, die Minuten verrannen, hinten hielten Rensing und das Stuttgarter Unvermögen den FC im Spiel, die Kölner Sturmgranaten M.C. Kenna und Stolperfreis waren ins Spiel gekommen, der Ausgleich lag trotzdem nicht in der Luft, selbst dann also, als es schwer danach aussah, als sei dann heute das Ende einer drölfmillionen Jahre dauernden Serie gekommen - da wollten sie immer noch. Unbedingt diesen Ausgleich erzielen, unbedingt unbesiegt sein, unbedingt einen Punkt mitnehmen.

Im Fußball zählen die Ergebnisse und die Tabellensituation verlangt nach Punkten, und so wäre der Blick auf das Spiel ein anderer, wäre Lukas Podolski nicht noch in die Gelegenheit gekommen die schwerste Kölner Waffe, den Sololauf des Prinzen auf halblinks auf das Tor zu, einzusetzen. Aber eigentlich, eigentlich war das nicht wichtig. Wichtig war, dass die Mannschaft des 1. FC Köln sich nicht aufgab. Anderswo eine Selbstverständlichkeit vermutlich, nicht so beim FC, saison-, mannschafts- und trainerübergreifend. So bleibt zu hoffen, dass es am vergangenen Wochenende wichtigeres zu holen gab als einen Punkt und den Fortbestand einer Serie: Den ersten Schritt der Genesung von einer schlimmen Krankheit.

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