Auswärtsspiel

Mittwoch, 7. Oktober 2009

Potjomkinsches Dorf in Charlottenburg

"Die jehörn einfach in die erste Lija." S. ist gebürtiger Köpenicker und seit vielen Jahrzehnten Fan des 1. FC Union Berlin. Gemeint ist aber nicht der gut aufspielende Zweiliga-Aufsteiger, sondern der andere Verein der Stadt, der im Profifußball zu finden ist, die Hertha aus Charlottenburg. Wie man weiß, spielen die gerade am Rande des Abgrunds der ersten Liga, im freien Fall gen Liga Zwei.
Und S. ist nicht der einzige, der in Berlin so denkt und spricht. Andere schreiben auch so. Das Mitleid geht um.

Mitleid für einen Verein, der es nach der 16 jährigen Zweitligazugehörigkeit zwischen 1980 und 1996 (unterbrochen von zwei Erstligajahren, die jeweils auf dem 18. Platz endeten und zum sofortigen Wiederabstieg führten) nie geschafft hat, sich in Berlin eine nennenswerte Basis in der fußballinteressierten Bevölkerung der Stadt aufzubauen. Der seine Heimspiele zum Ende dieser Zweitligazugehörigkeit mit einem geschätzten Zuschauerschnitt von Sechseinhalbtausend regelmäßig vor einer Geisterkulisse austrug. Der nach dem Wiederaufstieg zur Saison 97/98 sogleich auf dicke Hose machte, sich fortan Hauptstadtverein nannte und davon sprach, zukünftig Deutschland regelmäßig in der Champions League zu vertreten. Dessen Heimspiele zu besuchen eine Qual ist, weil die Fahrt dahin mit den Öffentlichen nur selten nicht vom U-Bahnlied begleitet wird. Dessen Fans sich die Auswärtsspiele in Köln gerne in der FC-Kneipe angucken, weil alle anderen fußballzeigenden Kneipen lieber die Bundesliga-Konferenz zeigen als Hertha - mitten in Berlin. Der sich im zurückliegenden Sommer endlich vom BesondersDickeHosenMann Hoeneß trennte, um Kontinuität reinzubringen - um sich anschließend beim ersten Gegenwind geschwind vom Trainer zu trennen.

Um nicht falsch verstanden zu werden: Häme verspüre ich nicht. Dazu kenne ich die emotionalen Abgründe, die sich in einer solchen Situation auftun, leider zu gut. Und es gibt ohne Frage auch nette Herthaner, denen dies nicht gegönnt sei.
Warum ich - oder sonst jemand - aber Mitleid mit einem Verein haben sollte, den auch sonst niemand interessiert (es sei denn der Verein spielt ausnahmsweise mal um die Meisterschaft, dann ist das Eventpublikum da), leuchtet mir nicht ein. Hertha ist mir im besten Falle egal und mir fallen aus dem Stegreif mehrere Händevoll Vereine ein, die mir sympathischer sind. Traurig wäre ich nicht, würde das Potjomkinsche Dorf, das Hertha spätestens seit Wiederaufstieg darstellte, qua Abstieg in sich zusammenfallen. Nicht zuletzt deswegen, weil in Sachen Operation Nichtabstieg jeder Verein, der hinter dem FC steht, ein guter Verein ist.

Dienstag, 22. September 2009

Schöner Fehlerteufel

Über die Situation von Energie Cottbus:
"Der Trainer überlegt auch, ob er dem zuletzt gescholtenen Abwehrchef Markus Brzenska eine Dankpause einräumt."

'Danke Trainer, für die Pause'? 'Nachdem ich mich bei dem Aufsteiger Paderborn am vergangenen Spieltag beim Heimspiel fünfmal für ein Gegentor bedankt hab, mach ich jetzt mal Pause davon'? 'Danke für diesen guten Morgen'?

Zu finden in der Berliner Zeitung (Printausgabe) von heute - unter der Überschrift "Eine kleine Denkpause". Na also, geht doch.

Mittwoch, 29. Juli 2009

Boca Juniors ante Portas

Wer wie ich ein Herz für den argentinischen Fußball hat und damit nicht nur die Albiceleste meint, für den gibt es heute ein gar seltenes Schmankerl. Eine argentinische Klubmannschaft live und in Farbe im deutschen Fernsehen. Genauer genommen gibt es leider nur ein halbes Schmankerl.

Der "Audi-Cup" wird gespielt, in München. Die Gastgeber Bayern München, Manchester United, der AC Milan und eben - tata - Boca Juniors treffen bei diesem Miniturnier aufeinander. Heute spielen im ersten Halbfinale Boca gegen Manchester United, im Anschluß dann Bayern gegen Milan. Morgen, Donnerstag, gibt es dann das Spiel um Platz 3 und anschließend das Finale. Mit anderen Worten: Stinknormale Freundschaftsspiele mit internationaler Besetzung in ein güldenes Eventkleid gepackt.

Aber was nimmt man nicht alles in Kauf um Boca mal live im Fernsehen zu sehen. Die letzte Gelegenheit dieser Art dürfte 2001 gewesen sein, als die Xeneizes im Weltpokalfinale gegen Bayern München spielten. Dort standen sie zwar 2003 ebenfalls, aber auch der Weltpokal ist dem deutschen Fernsehen ja ohne deutsche Beteiligung zu langweilig, ebenso wie die Copa Libertadores oder andere sportlich herausragende Ereignisse an denen keine deutsche Mannschaft teilnimmt.
Es könnte also alles wunderbar sein - wenn nicht das übertragende ZDF (Sendung beginnt um 19:25 Uhr) das erste "Halbfinale" heute vollends zu einem Event-tralala degradieren würde, indem es nur die zweite Halbzeit zeigt. Mit dem Zweiten sieht man nur die Hälfte.

In Argentinien ist die Aufmerksamkeit naturgemäß eine andere. Nicht nur das Titelblatt der täglich erscheinenden Fußballbibel Olé widmet sich dem Thema (s.o.), auch die Fans Bocas sind stolz wie Oskar. Und nutzen die Gelegenheit um genüßlich über Erzfeind River Plate herzuziehen. Die nämlich sind gerade auf Canada Tour und spielen gegen so illustre Gegner wie den Toronto FC und Montreal Impact. Hui.


Der Spott der Boca Fans im Internet: "Vorsaison 09: Wir spielen nicht Soccer..
.. Wir spielen Fußball. Und zwar den Großen!

Donnerstag, 16. Juli 2009

Gastbeitrag: Von den Studenten, die auszogen, das Siegen zu lernen

Aus gegebenen Anlaß übergebe ich heute das Wort an Sasha:

Wer dieses wunderfeine Blog desöfteren genießt wird nicht umhin gekommen sein zu bemerken, dass die Sympathien hier uneingeschränkt den zwei edelsten rot-weißen Vereinen in Deutschland zugeteilt sind. Huldigung und Zuneigung werden nur durch eine Farbe ergänzt, und zwar das gottgleiche Celeste Argentiniens. Dem aufmerksamen Leser dieses Blogs wird ebenso nicht entgangen sein, woher diese Leidenschaft stammt. Vor viel zu langer Zeit unternahmen der Spielbeobachter und ich eine Reise nach Argentinien und kamen vollends gauchoisiert wieder zurück. Nach etlichen Monaten hatten wir zahlreiche Erfahrungen und Erkenntnisse angesammelt und brannten darauf diese den armen Ungläubigen zu offenbaren. So war nun endlich die nervenaufreibende Frage nach dem besten Fußballer aller Zeiten geklärt sowie die ernüchternde Gewissheit erlangt, dass jedes Rindfleisch außerhalb Argentiniens wie Pappe schmeckt.

Selbstredend hatten wir auch jeweils einen Fußballverein für uns entdeckt. Meine Wahl fiel auf Estudiantes La Plata. Und da eben jener Club in der heutigen Nacht furios den Copa Libertadores eroberte, darf ich mich heute hier als Gastredner austoben und dem verehrten Publikum erklären, wie diese Leidenschaft entbrannte.


Morgens um halb fünf in Deutschland: Links geht die Sonne auf, rechts bereiten sich via Stream die Hinchas von Estudiantes aufs Feiern vor.

Groundhopping und das intensive Anbahnen von Vereinsliebschaften auf Reisen in fernen Ländern ist nicht jedermanns Sache. Viele verweigern sich dieser Promiskuität und beschränken sich in ihrer Leidenschaft auf den einen und einzigen Verein. Dies sei ihnen gegönnt. In meinem Fall ist dies nicht so. Die Entdeckung fremder Länder verläuft nicht nur diagonal durch deren Küchen und Kneipen sondern eben auch durch deren Stadien. Dies hat zudem auch noch den Vorteil, dass man entgegen der „Wahl“ des ersten Herzensvereins, die zumeist eine eher willkürliche und unbewusste ist, hier mit objektiven Kriterien herangehen kann und den Club, der am besten zu einem passt, erwählen kann.

Die erste Adresse war für uns beide schon Sekundenbruchteile nach der Wahl des Reiselands klar – Union de Santa Fé! Dieser sympathisch verlotterte Zweitligist musste zweifellos beehrt werden und das wurde er auch. Noch heute verfolgen wir in sporadischen Abständen die Entwicklungen unserer ersten Begegnung mit Fußball auf dem argentinischen Kontinent. Doch wir wollten mehr. So schäbig das jetzt klingen mag: Ein Erstligist musste her. Senor Spielbeobachter ließ sich nicht lange bitten und machte umgehend eine elegante Punktlandung bei Independiente. Diese, durchaus respektable, Wahl ließ in mir die Nervosität wachsen. Natürlich konnte ich ihm nicht einfach hinterherwatscheln. Ich wollte meinen eigenen Weg finden und graste daher verzweifelt die möglichen Clubs nach Übereinstimmungen mit meiner Person ab.

Schließlich fiel mein Blick auf die Studenten aus La Plata. Meine Sympathie mit diesen rotweißen Vorstadtkickern mag auf den ersten Blick banal erscheinen. Eine Mannschaft, die sich „Estudiantes“ nennt, gewinnt tatsächlich im Jahr globaler Studentenrevolten 1968 den Weltpokal – das hatte was! Erstes Interesse war geweckt, ich begann zu justieren. "La Pincharrata", wie der Spitzname der Studenten auch ist (kommt von der berühmten medizinische Fakultät der Uni La Plata, dessen Studenten dafür berüchtigt sind, besonders gerne Ratten aufzuspießen) befindet sich irgendwo im tristen Grenzbereich der Diskussion um die Großen Fünf oder auch Sechs. River, Boca, Independiente und San Lorenzo sind hier unbestritten dabei. Ob aber nun daneben noch Racing, Velez oder eben Estudiantes in den argentinischen Fußballolymp gehören, darum ranken sich endlose Debatten und Streitereien. (Nach dem Gewinn des vierten Copas, umsäumt von einem Weltpokal und vier Meisterschaften erübrigt sich in meinen Augen diese unsägliche Kleingeisterei!)

Große Teile der legendenumwogten Geschichte der Estudiantes entdeckte ich erst nach und nach. Dabei bin ich weit entfernt diese gewaltreichen Episoden der Vereinsgeschichte gutzuheißen, doch sie verliehen den Studenten Konturen und wirkten gegen das graue Bild eines mittelmäßig erfolgreichen Vereins, der seine besten Zeiten hinter sich hatte. Dieser Club hatte Geschichte gemacht, wenn auch nicht im positiven Sinne, aber er stellte etwas dar. Auch die Spuren der beiden Verons, die mit Estudiantes eng verbunden waren, trugen dazu bei, mir diesen Verein immer sympathischer zu machen. War ich doch schon vorher ein glühender Anhänger von Veron gewesen, dessen Spiel mich stets begeistert hatte, wenn ihm auch die großen Erfolge verwehrt blieben. Und so wuchs und gedieh meine Zuneigung. Sollten sie doch alle mit ihren vor Tradition berstenden Hauptstadtvereinen posen – ich hatte meine fußballerische Heimat in Argentinien gefunden.

Die letzten Jahre gaben mir dann aber auch noch hinsichtlich des Erfolgs Recht. Hätte selbst ich im Jahre 2003 nicht mit einem Titel für Estudiantes gerechnet und mich demütig auf einen baldigen Erfolg des Pokalkrösus' Independiente eingestellt, konnte ich bar vor Staunen 2006 den Gewinn der argentinischen Meisterschaft feiern. Mein Ein-Mann-Auto-Korso (ohne Auto aber mit argentinischer Flagge!) durch den Friedrichshain wird für alle Zeiten in den Annalen dieses Bezirks bleiben. Nur wenige Jahre später sitze ich nun hier, immer noch reichlich übernächtigt und kann es immer noch nicht fassen – die Copa nach 39 Jahren! Ein erfülltes Fußballleben liegt hinter mir, doch außer ein paar tollen Aufstiegen und schon längst vergilbten Erinnerungen an längst vergangene Oberligameisterschaften habe ich nicht sonderlich viele Titel als Fan ansammeln dürfen. Und nun das. Obwohl ich mich vielleicht ein wenig überfordert fühle, kann ich nicht behaupten, dass es sich schlecht anfühlt.

Montag, 6. Juli 2009

Vélez Campeon

Ein hoch dramatisches Finale. Alles andere wäre wohl arg untertrieben.
Vor dem letzten Spieltag der argentinischen Clausura 2009 , der am vergangenen Wochenende statt fand, standen die beiden sich im Estadio José Amalfitani von Sarsfield gegenüber stehenden Mannschaften auf den ersten beiden Plätzen der Tabelle. Underdog CA Huracán, 1973 das erste und letzte Mal argentinischer Meister, vor dem Spieltag auf Platz 1 zu Gast bei Vélez Sársfield, ein Punkt dahinter, sechsmal argentinischer Meister. Entscheidungsspiel am letzten Spieltag also.

Und es war ein Spiel, dessen Dramatik der Ausgangssituation würdig war: In der 19. Minute wird das Spiel erstmals unterbrochen - wegen Hagelschlags. 24. Minute - Elfmeter für Vélez, berechtigt, wie man dazu sagen muß angesichts des weiteren Spielverlaufs. Gaston Monzón, Torwart Huracáns hält. Mit 0:0 geht es in die Pause, Huracán, in den letzten Jahren deutlich häufiger in der 2. Liga zu finden, ist Meister zu diesem Zeitpunkt.
In der 83. Minute dann kommt es zum folgenschweren Duell: Monzón und Vélez-Stürmer Joaquín Larrivey strecken sich am Fünf-Meter-Raum beide im vollem Tempo zum Ball, Montón ist schneller und erwischt den Ball, Larrivey hingegen kommt zu spät und springt mit beiden Beinen in den gegnerischen Torwart. Der kann dadurch den Ball nicht kontrollieren, Larriveys Teamkollege Maxi Moralez kommt an den Ball und schlägt ihn ins Tor. 1:0. Wütende Tumulte, in Folge dessen das Spiel ein zweites Mal unterbrochen wird, sind die Folge, doch weder diese noch eine 13 minütige Nachspielzeit nutzen Huracán etwas. Am Ende ist Vélez zum siebten Mal Meister und Huracán fühlt sich betrogen.

Bedenkt man allerdings die Tendenz der letzten Jahre, daß in Argentinien fast jeder Meister werden kann, sollte es nicht wundern, wenn Huracán bald wieder eine Chance hat.

Mehr Informationen gibts wie immer bei Fußball auf Argentinisch. Eine Zehnminütige Zusammenfassung des Spiels findet man hier.

Mittwoch, 17. Juni 2009

Grüne Farbe bekennen

45 Minuten lang nutzten einige Spieler des Team Melli, der iranischen Nationalmannschaft, das heutige Qualifikationsspiel gegen Spitzenreiter Südkorea zu einem politischen Statement: Grüne Arm- und Schweissbänder trugen sie.


(Rechts der ehemalige Bayernspieler Ali Karimi, heute tätig bei Persepolis Teheran)

Irgendjemand in Teheran, dem das ganze offenbar weniger gefiel, griff dann wohl zur Halbzeit zum Telefon. In der 2. Halbzeit jedenfalls liefen die Spieler dann ohne das Zeichen der protestierenden Opposition auf. Das Bestreben um Kommunikationsherrschaft scheint allen Fußballverbandspräsidenten gemein zu sein.

Das Spiel endete übrigens 1:1 - was dem Iran gemeinsam mit Nordkorea und Saudi-Arabien im Verfolgerfeld läßt.


Edit: Laut der BBC trug Mehdi Mahdavikia, Kapitän der Nationalmannschaft und Profi von Eintracht Frankfurt das Armband die gesamten 90 Minuten.

Mittwoch, 27. Mai 2009

Torschütze: David Cobeño (Torwart)

Man kann David Cobeño wirklich nicht vorwerfen, er hätte nicht alles versucht, um seinen Verein Rayo Vallecano im Aufstiegsrennen der zweiten Liga zu halten. Er übernahm dafür sogar ihm artfremde Aufgaben, ein Tor zu erzielen zum Beispiel.




Nur genützt hat es nichts, die Madrilenen verloren letztenendes 1:2 und sind damit wohl raus aus dem Aufstiegskampf.

Dank an Carlos.

Dienstag, 12. Mai 2009

Über den Tellerrand: CD Tenerife, zweite spanische Liga - noch.

Am kommenden Wochenende bin ich mit ein paar Freunden irgendwo in Mecklenburgischen Seenplatte unterwegs. So weit, so schön. Nicht so für Carlos. Er droht den Ausflug zu verweigern, wenn es keinen Internetanschluß gibt. Carlos ist nämlich nervös: Am Samstag kommt es am 37. Spieltag der Liga Adelante, der zweiten spanischen Liga, zum Spitzenspiel seines Heimat- und Herzvereins CD Tenerife gegen Hercules Alicante. Letztere sind auf dem vierten Platz und haben fünf Punkte Rückstand auf den an zweiter Stelle liegenden CD. Ein waschechtes Sechspunktespiel also mit möglicherweise vorentscheindem Charakter. Grund genug, mal über den Tellerrand zu gucken und Carlos ein paar Fragen zu stellen.

Carlos, am Samstag gehts nach Alicante. Du hoffst natürlich auf einen Sieg, klar. Wie schätzt Du die Chancen ein, wärst Du schon mit einem Unentschieden zufrieden?

Sicherlich! Ein Unentschieden gegen Hércules wäre der halbe Aufstieg. Da bliebe der Abstand von 5 Punkten gleich und für sie wäre der 3. Platz unerreichbar. Vor zwei Wochen haben wir in Zaragoza (3.) 1:1 gespielt und letzten Monat in San Sebastián Real Sociedad mit 1:2 aus dem Rennen um die drei Aufstiegsplätze geschickt. Bei einem Sieg von Tenerife wäre meiner Meinung nach der Aufstieg nicht mehr wegzudenken... Aber noch ist alles möglich!

Zumal das Restprogramm nicht das schwerste scheint: Zwar empfangt Ihr noch Deportivo Xerez, den aktuellen Spitzenreiter, aber dafür stehen noch drei Abstiegskandidaten auf dem Zettel. Das klingt machbar, oder?

Es klingt machbar, aber es sind noch 5 Mannschaften, die um die 3 Aufstiegsplätze kämpfen. In Teneriffa sind sich alle mehr oder weniger einig, dass wir es am 31.Mai in Sevilla (2. Mannschaft des FC) gegen den Tabellenletzen packen werden. So dass das Spiel gegen Xerez eine Party beider Mannschaften sein könnte. Gut, damit das so stattfinden kann, müssen vorher Rayo Vallecano und Hércules mehr Abstand zum dritten Platz kriegen. Sonst wird das gegen Xerez ein echtes Finale werden. Ich sehe auf was für einem hohen Niveau die Mannschaft momentan spielt und das ist was am Ende zählt, da sind mir die Gegner ehrlich gesagt egal.

Ein Blick zurück: Vorhin hast Du getwittert, daß Ihr heute auf den Tag vor sieben Jahren in die 2. Liga abgestiegen seid, die Saison 05/06 hat Tenerife sogar nur auf dem 18. Platz (also knapp über dem Strich) beendet, die Jahre danach waren Mittelmaß - hast Du vor dieser Saison damit gerechnet, daß am Ende der Aufstieg stehen könnte?

Oh ja, die Saison 05/06 war echt sehr knapp, da ging schon die WM in Deutschland los und ich konnte mich noch nicht drauf einstellen, weil Tenerife noch vom Abstieg in die Segunda División B (3. Liga) bedroht war.
In diesem Jahr sind die Bedingungen im Allgemeinen etwas anders als in all den letzten Jahren. Alleine die Tatsache, dass unser Trainer José Luís Oltra schon die zweite Saison hintereinander dabei ist, hat der Mannschaft eine Basis gegeben: Seit 1998 hatten wir im Schnitt mindestens 2 Trainer pro Saison, was mit der katastrophalen Lage des Vereins und des Präsidiums zu tun hatte.
Der neue Präsident hat zumindest sportlich ganz gute Entscheidungen getroffen, u.a. die dritte Rückkehr von Sportdirektor Santiago Llorente. Dieser Mann hat ein unglaubliches Gespür für gute Spieler, er hat damals z.B. den Argentinier Fernando Redondo entdeckt und nach Tenerife gebracht. Und diese Saison hat er wieder einige "Cracks" auf Lager gehabt wie z.B. Alejandro Alfaro (Nachwuchsspieler ausgeliehen von Sevilla) oder den kamerunischen Nationalspieler Daniel Kome.

Stadion in Teneriffa
Foto: Carlos B. Crosa

Auch wenn Tenerife alles in allem, entschuldige wenn ich das so sage, bei "nur" 12 Saisons in der Primera División eher als ein klassischer Zweitligist gelten muß, hatte der Verein in der Vergangenheit einige namhafte Trainer. Javier Clemente oder Rafael Benítez zum Beispiel und natürlich aus deutscher Sicht besonders interessant, das deutsche Trio Jupp Heynckes, Co-Trainer Ewald Lienen und Konditionstrainer Egon Coordes. Welchen Ruf hat Don Jupp bei Euch auf der Insel?

Unter Don Jupp hat die Mannschaft auf dem höchsten Niveau aller Zeiten gespielt - neben der Zeit, in der Jorge Valdano Trainer war.
Mit ihm haben wir in der Primera División 96/97 den 5. Platz erreicht und wurden Halbfinalist im UEFA-Pokal gegen Schalke 04. Für die Insel ein Traum! Das war in einer Zeit, wo die Mannschaft wirklich Disziplin benötigt hat und da hat das deutsche Trio wie die Faust aufs Auge gepasst. Sie haben das Beste aus allen Spielern geholt und jeder Spieltag war ein Genuß. Zu der Zeit spielte auch Oliver Neuville für CD Tenerife.
Lienen kehrte in der Saison 2002/03 als Cheftrainer zurück und 2006 hatten wir auch Bernd Krauss als Coach auf der Insel.

Im letzten Winter ging CD Tenerife auf unrühmliche Weise durch die deutsche Presse: Der Präsident von Real Sociedad, Iñaki Badiola, behauptete, ein ehemaliger Spieler von CD hätte am Telefon zugegeben, die Mannschaft hätte am letzten Spieltag der Vorsaison absichtlich gegen Malaga, die dann statt Real Sociedad aufgestiegen sind, verloren. Ist das inzwischen aufgeklärt oder ist das ganze unter den Teppich gekehrt worden?

Das ist alles ein ziemliches Hin und Her gewesen, der Spieler selbst hat seine eigenen Aussagen dementiert, aber die Aufnahmen vom Gespräch sind ja da. So wie es aussieht, ist alles noch nicht ganz geklärt worden. Als wir vor einem Monat in San Sebastián gegen Real Sociedad gespielt haben, gings mit dem Thema seitens der baskischen Medien wieder los, um unsere Spieler abzulenken.
Dass es in Spanien die sogenannten "Maletines" (Koffer, mit Geld natürlich) am Ende der Saison gibt, kann ja keiner bestreiten. Aber soweit das Geld (vom Dritten) nur an Mannschaften geht, die um nichts mehr spielen um deren Spieler zum Sieg zu motivieren, würde ich das nicht bestrafen. Eine andere Sache ist, wenn man absichtlich verliert....

Letztes Jahr gewann Spanien das erstemal seit 44 Jahren wieder einen internationalen Titel, dieses Jahr steigt Tenerife wohlmöglich auf - welche sportlichen Ziele bleiben Dir noch, Carlos?

Ist ja ganz klar, CD Tenerife Meister und in der Champions League dabei!!!

Dann viel Glück beim Aufstieg als ersten Schritt zur Weltherrschaft. Danke schön!

Donnerstag, 23. April 2009

Der Pokal, seine Gesetze und was fehlt

Phrasenschwein, ick hör Dir trapsen trampeln: Der Pokal hat seine eigenen Gesetze. Im Fall der Halbfinale des DFB Pokalwettbewerbs 2008/09 heißt das eigene Gesetz: Spielerische Mittelmäßigkeit allenortes.

Sicher, beide Spiele hatten ihre Momente der Spannung, wie es sich für ein Pokalhalbfinale gehört, ein Spiel, das erst im Elfmeterschießen entschieden wird, ist ohne Zweifel ein Aufregendes. Aber gerade das gestrige Elfmeterschießen zwischen Werder und dem HSV versinnbildlicht die Langeweile, die beide Spiele einem eher neutralen Beobachter aufzwangen: Kein stundenlanges Shootout, drei von vier Elfmetern der späteren Verlierer gehalten und zack, aus ist das Spiel. Zuvor gab es eine ganz gute, beileibe nicht brilliante Halbzeit der Bremer, einen Ausgleich der Hamburger zu einem Zeitpunkt, an dem selbst das Heimpublikum (Äh.. das soll ein Derby sein?) schon eingeschlafen war, und eine laue Verlängerung - letztere zugegebenermaßen auch bedingt durch die rote Karte gegen Jarolim.

Und am Abend zuvor? Erstligist gegen Zweitligist. Bayer Vizekusen hat zwar deutlich mehr Spielanteile, von der spielerischen Klasse aber verhalten sich beide so, als wäre es ein vorgezogenes Relegationspiel um den Erhalt der bzw. den Einzug in die Bundesliga - nicht ein Spiel zweier der vier erfolgreichsten Mannschaften im Pokalwettbewerb.

Phrasenschwein, komm herangetrabt: Der Pokal lebt von der Spannung. So weit so gut. Ein bißchen Spielkultur, zumal wenn drei selbst ernannte Meisterschaftskandidaten beteiligt sind, wär ja aber auch nicht schlecht.

Mittwoch, 22. April 2009

A Bunch Of Pussies

Wenn man sich mal den Spaß macht, sich durch die unzähligen Kommentare beim Bayern-Blogger Breitnigge zu buddeln, sollte man sich auf jeden Fall ein großes, besser noch ein sehr großes Paket Taschentücher bereit stellen.

Die können einem nämlich verdammt leid tun, die armen Bayernfans. Bayern München spielt, so erfährt man da, eine unterirdische und katastrophale Saison. Und siehe da: Ein Blick auf die verschiedenen Wettbewerbe bestätigt dies in der Tat. Der kleinste Schmerz geht vielleicht vom Scheitern des Klubs im DFB-Pokal aus. Schon im Viertelfinale allerdings. Damit steht Bayern auf einer Stufe mit Wehen-Wiesbaden, quasi! Skandalös. Aber gottlob will diesen Pott ja eh niemand wirklich haben. Macht also nicht soo viel aus.

Schlimmer natürlich das Nicht-Erreichen des Halbfinales in der Champions League. Nur unter den besten acht Mannschaften Europas zu sein (bei 53 Landesverbänden) ist wirklich ein sehr hartes Schicksal. Und dann auch noch gegen diese Thekentruppe aus Barcelona auszuscheiden.. Böse, böse.

Und zu guter Letzt - auch in der Bundesliga läuft es reichlich miserabel für die Münchener. Man stelle es sich vor: Nur Platz 2. Und das auch noch punktgleich mit einer anderen Mannschaft, nicht mal den Tabellenplatz haben sie alleine. Unglaubliche drei Punkte Rückstand auf den Spitzenreiter.

Kein Wunder also, daß Fans und Funktionäre möglichst schnell den Trainer loswerden wollen, diesen Trainer, der es nicht mal schafft, die Strukturen des Vereins zu erneuern und gleichzeitig zwei bis drei Titel zu gewinnen. Weg mit dem, ich will dieses schreckliche Mitleid nicht weiter empfinden müssen.


Mehr denn je: Die Katharsis eines Abstiegs tut not. Also: Nächste Saison natürlich. Diese geht eh nicht mehr und außerdem darf das VW Werk nicht Meister werden.

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