Heimspiel

Montag, 28. September 2009

Huhu, Schiri Kempter,

ich will gar nicht mit Ihnen über die rote Karte gegen Maniche diskutieren. Auch wenn ich glaube, daß da keine Foulabsicht zugrunde lag. Aber klar, ich hab auch eine rot-weiße Brille auf. Und muß zugeben, daß man die Situation anders sehen kann.

Warum Sie, Schiedsrichter Robert Michael Kempter, aber das klar regelwidrige Wegstoßen Maniches durch Arturo Vidal, das der von Ihnen mit Rot geahndeten Situation voraus ging, nicht mit einem Elfmeter bestraft haben, wie es die Regeln vorsehen, bleibt Ihr Geheimnis, oder?

Ich jedenfalls komm nicht drauf.

Donnerstag, 24. September 2009

Emotionalisierbarkeit, Konzentration und Immerzu Ishiaku.

"Schwer zu emotionalisieren" sei die Mannschaft, hat Manager Michael Meier vor einigen Wochen über das Team des 1. FC Köln gesagt. Eine Aussage, die durchaus Sorgen machen muß. Denn daß diese Mannschaft alle Leidenschaft, die sie aufbieten kann braucht, um aus dem Tabellenkeller herauszukommen und ihm idealerweise für den Rest der Saison fernzubleiben, dürfte klar sein.

Ein Blick auf den Kader bestätigt allerdings Meiers These. Ein Schwung junger Spieler, einige, im besten Sinne, abgeklärte und abgehangene Altstars, ein paar Spieler, die mit sich selbst genug zu tun haben und ein paar zurückhaltende und eher introvertierte Spieler a là Geromel. Bleiben unterm Strich nur Mondragon, Podolski und McKenna als Emotionalitätsmultiplikatoren.

Wer aber das gestrige Pokalspiel gesehen hat, weiß: Dieses Problem ist offenbar keines, das der Mannschaft Sorgen bereitet. Der unbestritten größeren individuellen Klasse der Golfsburger wurde mit großer Leidenschaft begegnet, die den verdienten Sieg möglich machte.

Was aber ein Problem zu sein scheint, ist punktgenaue Konzentration, insbesondere nach Anstoßsituationen. Im Ligaspiel gegen Schalke vor anderthalb Wochen gab es in jeder Halbzeit ein schnelles Gegentor. Gestern im Pokal ein Pfostenschuß des VW Wolfsburg direkt nach dem Kölner Führungstreffer und den Anschlußtreffer zum 3:2 direkt nach dem Tor zur zwischenzeitlichen 3:1 Führung. Mir scheint sich hier ein Aufgabengebiet für Trainer Soldo zu offenbaren: Das Spiel beginnt, wenn der Schiedsrichter den Ball freigegeben hat und nicht erst zwei Minuten später.

Ansonsten gäbe es noch viel zu sagen über das gestrige Spiel. Ich könnte über Maniches Pässe reden, darüber daß vielleicht nicht jeder Spieler so ein starkes Spiel wie Lukas Podolski zeigte, aber dennoch niemand wirklich abfiel, über den erneuten Scorerpunkt für Fabrice 'DJ Fafa' Ehret, Podolskis Blocksturm nach Spielende, und, und, und..
Vor allem aber sollte ein Mann Sonderlob erfahren, der viel einstecken mußte in seiner bisherigen Zeit beim 1. FC Köln. Am vergangenen Samstag Lehmann den Ball abgenommen und somit nach starker Leistung das entscheidende 2:0 vorbereitet und gestern zwei Tore gemacht. Willkommen zurück Manasseh Ishiaku. Ich überlasse das Sonderlob dem gemischten Herrenchor der Sektion Westpolen:

Immerzu Ishiaku

Mittwoch, 23. September 2009

DDR Meister 2009

Ich bin ja ein Westdeutscher, weswegen mir die emotionale Bedeutung des hier zu beschreibenden Umstandes möglicherweise ein bißchen weniger nachempfindbarer ist als den ostdeutschen Mitfreunden des 1. FC Union Berlin.

Erstmals in seiner Geschichte nämlich gewinnt Union den tabellarischen Vergleich mit allen Vereinen, mit denen sich die Eisernen in den Jahren 66 bis 91 sportlich und tabellarisch vergleichen konnten.

Die Nummer Eins im Osten, "Oberliga"-Tabellenführer, Ruhmreicher Spitzenreiter der FNL. Hey Hey.

Und ja, das ist schon seit dem 1. Spieltag so. Manches braucht eben länger um mir klar zu werden, ick bin ja ooch bloßn Wessi.

Montag, 21. September 2009

Kein Derby

Der erste Sieg für den 1. FC Köln ist endlich eingefahren. Das ist gut so, sowieso und ganz besonders jetzt, denn so läßt es sich viel leichter dem kommenden Wochenende entgegenblicken. Ein Heimspiel steht an, ein heißes noch dazu: Die Vorortmannschaft von Pfizer Bayer Vizekusen ist zu Gast. Heiß wird das Spiel nicht nur, weil die Werbemaßnahme bislang einen ziemlich guten und leider recht erfolgreichen Fußball spielt, und es somit für den FC schwer wird, die bitter benötigten Punkte zu machen, sondern natürlich auch aufgrund der geografischen Nähe.

Und dennoch. Auch wenn es es so aussieht und manchesmal auch so schmecken mag - das Spiel ist kein Derby.
Woher der Begriff "Derby" kommt, ist schon tausendmal erzählt worden. Und ja, es gibt es, das rheinische Derby, zu dem die Emotionen elektrisiert hochkochen und bei dem schon eine Woche vorher Freude über die Möglichkeit, mit einem Sieg dem ungeliebten Nachbarn eine Schmach zu verpassen Hand in Hand geht mit der Angst, selbst der Geschmähte zu sein. Der Gegner heißt Borussia Mönchengladbach.

Die Borussia ist, da gibt es verständlicherweise keine zwei Meinungen, Pfui & Bah. Allein schon die dämlichen Trikotfarben (Grün, Schwarz und Weiß - Hallo? Wer will sowas sehen?) sagen so manches aus über den schlechten Geschmack, der auf dem Lande herrscht.
Aber, was wäre das Leben ohne dies, zweimal im Jahr die Möglichkeit zu haben, hohnlachend auf diesen Gegner zu zeigen? Und ja, geben wir es zu: Dazu gehört auch die (natürlich völlig unwahrscheinliche) Eventualität, selbst den Kürzeren zu ziehen. Am Besten geht das, wenn Beide in einer Liga spielen. Auf Augenhöhe sind. Sportlich. Denn traditionell sind sie es. Mönchgladbach also wäre der ideale Kandidat für eine Sonderregel der DFL: Eine Mannschaft darf jedes einzelne Spiel verlieren, und bleibt trotzdem in der Liga. Gilt natürlich nur solange der FC nicht absteigt, sí claro.

Bei der Werbemaßnahme aus Vizekusen hingegen liegt der Fall anders. Hier hilft nur sofortige Auflösung. Meinetwegen Neugründung in der zehnten Liga, diesmal ohne Bayer Millionen. Jedes Spiel gegen diese Mannschaft ist ein Spiel zuviel. Es macht schlichtweg keinen Spaß. Ein Sieg ist schön, wie jeder Sieg es ist, aber nichts Besonderes. Eine Niederlage ist eine weitere gottverdammte Niederlage. Kein Hieb mit dem Schwert des Schicksals.

Also dann, werte professionelle Geschichtenbastler in Funk, Fernsehen und Holzpresse: Lasst es sein. Orientiert Euch nicht am Kollegen des Senders Sky, der am Rande des Spiels Werder Bremen gegen Bayer Vizekusen vom "einzigen rheinischen Derby" sprach, das da nächste Woche auf die Mannen von Osram Heynckes zukomme. Falsch. Nicht nur nicht das "einzige", nein gar keins. Kein Derby in Sicht am nächsten Wochenende in Köln.

Dienstag, 15. September 2009

Weiter, immer weiter.

5 Spiele, 1 Unentschieden, 4 Niederlagen, 1 Punkt, Platz 18.
Und die Geier kreisen schon.

Nicht überraschend eigentlich. Schließlich lesen sich die Zahlen ja wirklich schlecht. Und jedem Freund des 1. FC Köln, dem die letzten zehn Jahre in den Knochen stecken, schleicht langsam aber sicher die Angst in die selbigen.

Fakt ist, der FC ist schlecht aus den Startlöchern gekommen. Doch das macht sich nicht an den Ergebnissen und dem Punkteverhältnis fest.
Die bislang noch nicht erfolgreich funktionierende Offensivachse Maniche / Petit - Podolski - Novakovic sucht sich noch. Das hat viel mit Verletzungen (Langwierig: Novakovic, kurz: Podolski), Formschwäche (Petit, Novakovic), spätem Transfer (Maniche) und zu guter Letzt den Länderspielabstellungen (Maniche, Podolski, Novakovic) zu tun. Das möglicherweise hier auch Alternativen fehlen, zeigt sich daran, daß der vierwöchige Ausfall des jungen und unfertigen Adil Chihi die Frage aufwirft, wer ihn ersetzen soll.

Fakt ist auch, und das ist bekannt und schon tausendmal abgearbeitet, daß die Zeit günstig ist für einen langsamen Start, so absurd sich das beim derzeitigen Punkteverhältnis auch anhören mag. Gegen Mannschaften wie Dortmund, Wolfsburg, den HSV, Schalke, Stuttgart, Leverkusen und Bayern ist für eine Mannschaft im zweiten Jahr nach Aufstieg, auch wenn sie sich in Bestform befände, regulär nicht viel zu holen.

Was bleibt? Den Trainer feuern, wie die Geier schon fordern. Dadurch wird das Auftaktprogramm nicht einfacher, die Mannschaft nicht schneller zusammenwachsen. Stefan von der Südtribüne zeigt zudem, daß Trainerentlassungen dem 1. FC Köln in den vergangenen Jahren nie das brachten, was man sich von ihnen erhoffte.

Oder eben aushalten, die eigene Angst, und dem Trainer und der Mannschaft die nötige Zeit geben, die sie bei dem Startprogramm eigentlich sowieso haben. Mund abwischen, ein breites Kreuz machen und wie der Namenspatron dieses Blogbeitrags, Oliver Kahn einst sagte: Weiter, immer weiter.

Noch ist nichts verloren. Noch lange nicht.

Montag, 31. August 2009

Lieber Kicker,

ich hätte da gerne mal eine Erklärung:
"Dr. Felix Brych ließ vor dem 1:0 Jarolims Tackling gegen Wome zu Recht laufen, hätte aber Guerreros Einsatz gegen Geromel abpfeifen müssen. Zudem übersah er, dass beim 2:0 der im Abseits stehende Zé Roberto Kölns Torhüter Mondragon die Sicht nahm" schreibst Du in der Analyse über das gestrige Spiel zwischen dem Hamburger Sportverein und dem 1. FC Köln in der Beurteilung über den zwölften Hamburger Schiedsrichter.

Abgesehen davon, daß Du damit ignorierst, daß der von Dr. Brych gegebene und zum dritten, ebenfalls irregulären, Tor führende Elfmeter keiner war, kommst Du also zu dem Schluß, daß die ersten beiden Tore für die Hamburger regelwidrig erzielt wurden und der HSV nur deshalb 2:0 in Führung ging, weil Dr. Brych das Regelwerk des DFB ignorierte.

Deine Note für den auf ganzer Linie versagenden Herrn Dr. Brych aber ist eine 3,5.

Hast Du die ausgewürfelt? Einen HSV Fan befragt? Den Schwager von Brych die Benotung vornehmen lassen?

Verwundert,
Dein Spielbeobachter.

Edit: Der Beitrag ist eigentlich überflüssig geworden. Siehe Kommentare.

Samstag, 29. August 2009

Hamburger Experte

Es sprach der junge Mann, der im Supermarkt unten in meinem Haus an der Kasse sitzt und von dem ich weiß, daß er HSV Fan ist, so wie er weiß, daß ich FC Fan bin:
"Das gibtn Unentschieden morgen."
Ich nickte und sagte: "Damit wär ich hochzufrieden."
Er fuhr fort: "Es würd mich auch nicht wundern, wenn Köln gewinnt".
Ich fand die Aussage etwas unsinnig, stammelte ein "Naja.." während ich das Wechselgeld in mein Portemonnaie gleiten ließ, nickte aber schließlich doch gottergeben. Dagegen hätt ich ja nichts.

Und als er sich schon dem nächsten Kunden zuwandte, schob er dann noch die Erklärung, nach der ich gar nicht gefragt hatte, hinterher: "Das ist ja ein kleiner Verein, mit denen tun wir uns schwer".

Pfffft.

Freitag, 21. August 2009

Und so reagiert man auf Kritik, wenn man bei einer Kölner Zeitung arbeitet:

Die gesammelte Berichterstattung und Reaktion auf die Kritik Faryd Mondragons an der Zerstörungswut Kölner Medien:

Express:






Bild Zeitung:






Kölner Stadt Anzeiger:






Kölnische Rundschau:







(Ich schwöre, ich hab nichts ausgelassen. Die Kritik selbst findet man hier)

Donnerstag, 20. August 2009

"Komplett und ganz Scheisse"

Die Vorgeschichte: Die kölschen Boulevardmedien sind wieder da.
Nachdem sie sich zu Zeiten des Zampano, der mittlerweile am Bosperus weilt, verhielten wie normale Boulevardmedien dies nun mal tun - was ohne Frage schon schlimm genug ist - haben sie jetzt, wo der Mann an der Linie ein anderer ist, wieder zu alten Gewohnheiten zurückgefunden. Hauptmission: Seek and destroy. Oder, auf kölsch: Söke un kapoddmaache.
Kein Tag vergeht, an dem Express oder Bild nicht einen Grund finden, warum beim 1. FC Köln alles ganz furchtbar schlimm ist und den Bach runtergeht, Zerfall und Abstieg nur noch eine Formsache ist.
Dabei ist kein Grund zu blöd für die "Journalisten" um daraus eine Story zu stricken. Ob es die falschen Autos sind, die die Profis fahren (diese Geschichte beschäftigt den Boulevard nun schon seit Tagen) oder ob es der von Torwart Mondragon zum Training mitgebrachte Neffe ist. Höhepunkt ist ein von der Bild veröffentlichter Artikel, in dem selbst erfundene oder wochenlang zurückliegende Kleinigkeiten kulminiert werden um wieder und wieder in die Köpfe der Leser zu hämmern: Längst schon ist aus dem 1. FC Köln der "1. FC Disziplinlosigkeit" geworden. Wer Trainer Soldo ein wenig kennt, weiß hanebüchen das ist. Wahrscheinlicher ist, das versucht wird, eine Stimmung zu erzeugen, in der Soldo reagieren muß. Damit das Theater richtig brennt.

Zeit also zu antworten. Wer wäre dafür besser geeignet als Faryd Mondragon.
So tat er es auf der heutigen Pressekonferenz. In Englisch, "because I have a lot to say and my deutsch ist not good enough yet. For me all this, the situation that has been created around these two games that we have lost [...] is komplett und ganz scheisse.. "

Viel Spass bei den offenen Worten der Woche des Monats des Jahres. (Christoph Daum Feinde kommen auch auf ihre Kosten)




Nachtrag: Der Express veröffentlicht dieses Video ebenfalls auf seiner Homepage. Merkwürdigerweise fehlen alle Stellen, an denen die Medien kritisch angegangen werden. Ein Schelm ist, wer böses denkt.

Die komplette Rede, übersetzt auf Deutsch, findet Ihr nebenan bei Effzeh.

Montag, 17. August 2009

Contenance! 1 Spieltag, 2 Ligen

Contenance.. nach zwei Niederlagen.
Zugegeben, das sieht schon richtig sagenwirwieesist scheisse aus. 18. Platz: 1. FC Köln, 0 Punkte. Und das schwere Auftaktprogramm ist, auch wenn es nächste Woche "nur" gegen Frankfurt geht, noch lange nicht vorbei. Mit ein bißchen Pech steht die Null noch ein paar Spieltage. Das sieht dann noch viel beschissener aus.
Und allen üblichen rheinischen Gesetzen zu Folge wird dann der Baum schon brennen. Dabei war der Schritt, den die Mannschaft vom ersten zum zweiten Spieltag machte, durchaus ansehnlich. Die Rückkehr Podolskis, der dadurch auf den Flügel ausweichende und dort besser aufgehobene Freis, Torschütze Ehret statt des verletzten und in Dortmund mehr als unglücklich spielenden Sanou und immerhin sechs Minuten lang Novakovic - die Mannschaft nimmt langsam Form an. Zu langsam um gegen den amtierenden Meister bestehen zu können, zumal Pedro Geromel immer noch schmerzlich vermisst wird. Aber gegen den Meister 72 Minuten nicht in Rückstand zu sein bzw. sogar zu führen - davon kann man sich, entgegen allen Floskeln, sehr wohl was kaufen: Die 0 Punkte bleiben zwar bestehen, aber das bei dem Auftaktprogramm bitter nötige Selbstvertrauen und Unterstützung durch das Umfeld und die damit einhergehende relative Ruhe dort sind Gold wert.

Contenance.. nach zwei Siegen.
Zugegeben, das sieht schon richtig sagenwirwieesist geil aus. 1. Platz: 1. FC Union Berlin, 6 Punkte. Spitzenreiter, hey, hey.
Leider hab ich es nicht sehen können, aber wie wunderbar ist denn das? Erstes Heimspiel gegen Mitaufsteiger und Mittabellenführer Fortuna Düsseldorf, die am ersten Heimspiel richtig richtig gut aussahen und dann das: Sieg. Ausgerechnet durch Kenan Sahin, Ex-Fortune - was leider so gut wie alles ist, was man der Presse über das Spiel entnehmen kann, die einfachste Story ist eben auch immer die meistgeschriebene.
"Wir haben erst sechs, also fehlen noch 34 Punkte" zitiert die Berliner Zeitung Sportdirektor Christian Beeck in dessen Versuch auf die Euphoriebremse zu treten und recht hat er. Wobei die Gefahr, die Union Fans würden nun durchdrehen und bei der nächstbesten Niederlage Zeter und Mordio schreien und lautstark den Durchmarsch in Liga Eins fordern wohl auch nicht gegeben ist, jedenfalls nicht bei der überwiegenden Menge der Fans. Schon allein deswegen weil niemand den ganzen Eventheckmeck, der mit der 1. Bundesliga einhergeht, in der Alten Försterei will.

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