Heimspiel

Montag, 29. Juni 2015

Die Wunderelf von 2015 - Eine Reminiszenz

„Ach ja....“ Wie so oft, wenn man sich mit dem Spielbeobachter über die vermutlich beste Zeit seiner Karriere, wenn nicht gar seines Lebens, unterhält, wandert sein Blick verträumt in die Ferne. Dorthin, wo seine Erinnerungen gespeichert sind, die Erinnerungen an einen der legendärsten Wettbewerbe aller Zeiten, DasTunier™ von 2015, jene Spiele, über die noch heute jedes Kind spricht. Und natürlich die Wunderelf, jene Mannschaft, deren überragende Leistungen nicht unwesentlich dazu beigetragen haben, dass dieser Wettbewerb so in der Erinnerung der Menschen verankert ist. Die Wunderelf, Reesenball Felge, im Volksmund auch Flgrll genannt, von der der Spielbeobachter ein Teil war. Er macht eine wegwerfende Handbewegung, „Ach was, da sind wir uns doch wohl hoffentlich einig, junger Mann, dass ich da nur der kleinste Teil der Mannschaft war“. So ganz läßt sich das nicht abstreiten, neben den großen Namen dieses Teams verblasst der seine ein wenig, aber beginnen wir von vorne:

„Ich kam ja erst ein wenig später zur Mannschaft, da stand das Grundgerüst aus Kamke, Reese und Collini ja schon.“ erzählt der Mann, der dann schlussendlich auf der linken Außenverteidigerposition landete. „Da wollte halt keiner hin, ich hatte das noch nie gespielt, aber man spielt halt da, wo einen das Team aufstellt“ sagt der Berliner lachend. Und dann wird er wieder still und verliert sich in den Gedanken an die goldene Zeit. „Es war ja damals gar nicht so einfach,“ unterbricht er dann plötzlich die Stille „Im Vorfeld zumindest. Die Emotionen zwischen den beteiligten Mannschaften kochten hoch, wenn Sie sich erinnern, alle Welt sprach plötzlich nur noch vom Hasscup. Und unsere Mannschaft, herrje, es dauerte ewig, die zusammen zu stellen, das Team Ü100 war schon längst damit beschäftigt, die Taktik auszuarbeiten und das Team Bucksen hat heftig an der Kondition gearbeitet, während bei uns noch im Hintergrund an der Mannschaftszusammenstellung gebastelt wurde. Ob felgenralle zum Beispiel dabei sein würde, war erst einen Tag vorher klar. Und unser Wunderstürmer, der blutjunge JayJay, dessen Anwesenheit war auch so eine unklare Sache...“ Er wird jetzt lebendiger, der Weg, den die, den Worten Nachdruck verleihenden, Hände nehmen, beschreiben den Druck, der im Vorfeld herrschte, sehr gut.

„Dann war der Tag da, es war endlich soweit, und es geschah.... ja, wie soll ich es sagen,“, fast muss man befürchten, er falle wieder ins Schweigen, doch er sucht nur nach Worten „ja, also eigentlich .. so muss sich Magie anfühlen, also nicht, dass ich an so etwas glauben würde, aber als wir den Geist der Ostkampfbahnumkleidekabine verspürten, da, ich glaub, das ging uns allen so, da wussten wir, also ich wusste und doch, ich bin mir sicher, die anderen auch, heute ist etwas Großes möglich.“ Da ist er plötzlich, dieser entschlossene Zug um den Mund, den wir von den unzähligen Fotos jener Tage kennen, die wir alle tausend Mal sahen und sich in unser kollektives Gedächtnis brannten.

„Und dann standen wir endlich auf dem Feld und eigentlich wurde erst da unsere Aufstellung klar. Vorne drin der Abstauber oder JayJay, um ihn herum und in der Defensive wirbelten, passten und sicherten ab der Kamke, Reese und / oder Ralle und hinten stand Collini wie ein Fels in der Brandung und rechts beackerte Nember die Linie und links, nun ja, ich. Und schließlich im Tor der Teqqy. So war der Plan, auch wenn wir anfangs noch auf Teqqy verzichten mussten.“ Wie jedes Kind kann natürlich auch der Spielbeobachter die Aufstellung der Wunderelf im Schlaf aufzählen.
Im ersten Spiel ging es dann gleich gegen einen der Geheimfavoriten, das Ü100-Team. „Vor der Defensive hatten wir wirklich Sorge, wie jede andere Mannschaft auch“ erzählt der tkschlandsieger. „Dann kam die Nachricht, dass der Kopf der Mannschaft, der große LLEnzo, lieber irgendwo Vertragsverhandlungen führte als sein Team zu führen, da wußten wir, wir können es schaffen. Aber trotzdem dauerte es ewig, bis der Knoten platze...“ Hier verstummt er wieder und macht nur eine vielsagende Geste, und wir wissen, dass er auf seinen größten Moment des DasTuniers, wenn nicht gar seines Lebens, anspielt. Wie er nach diesen nicht enden wollenden gut zwei Minuten, in denen nur wenig gelang und die Verkrampfung und der Druck die Mannschaft schier erdrücken wollte, an der linken Seite hochmarschierte, den Ball bekam und auf das Tor schoss, dem gegnerischen Torwart keine Chance ließ, als das der ihn abprallen lassen musste und diesen zweiten Ball dann unnachahmlich hinein ins leere Tor hineinkullern ließ. „Dieses Gefühl wo ich gar nicht beschreiben kann, das war unheimlich“ grinst der Mann, dessen einziges Tor dieser Eröffnungstreffer bleiben sollte.

„Danach brachen die Dämme. Beim Gegner genauso wie bei uns, nur dass bei uns der Wirbel aus Kamke, Reese und Ralle und dem Abstauber vorne drin die Flutwelle war.“ 5:0 war das Endergebnis, der gefürchtete Gegner, der eine 1-5-1 Taktik angekündigt hatte, vom Platz gefegt. „So gingen wir guter Dinge ins zweite Spiel gegen die Bucksen-Truppe“ sagt er, doch sogleich legt sich seine Stirn in Sorgenfalten. Wir wissen warum, dieses legendäre Spiel ist in alle Annalen eingegangen. „Erst war da dieser furchtbare Moment der Verletzung des Bucksen, als wir alle dachten, der stirbt uns jetzt hier auf dem Feld, das war wirklich gruselig, ich höre noch heute das Scheppern und Krachen und Knallen des Pfostens“ Zum Glück war es nur der große Zeh, der dran glauben musste. Aber nicht nur Bucksens Zeh trübt die Erinnerung an dieses Spiel, auch die Leistung des linken Verteidigers. Angriffswelle über Angriffswelle der Bucksen-Truppe rollte über seine Seite, nicht immer sah der Spielbeobachter dabei gut aus, manches Mal musste er dabei zu unfairen Mitteln greifen, insbesondere wenn die Angriffe aus dem Kölner Süden kamen. „Haha,“ seine Miene hellt sich auf, „ja, da hab ich ein paar mal ordentlich zugelangt, aber der Schiri hat nichts gesehen. Schade eigentlich, ich war gerade so gut in Fahrt, dem hätte ich auch noch eine mitgegeben.“ Linke Außenverteidiger haben einen merkwürdigen Humor.

Doch zum Glück für seine Mannschaft bestand selbige nicht nur aus ihm. Vorne wirbelten sie schon wieder, immer unterstützt „vom unermüdlichen und groß aufspielenden Collini – er hat gesagt, das soll ich sagen, aber schreib das bloß nicht, sonst krieg ich Ärger“, und schließlich fielen die Tore auch in diesem Spiel. Bis zu jener verhängnisvollen Minute, in der der Spielbeobachter den Ball am eigenen Strafraum vertändelte und so das erste Gegentor verursachte. „Zum Glück stand es da schon 3:0, aber trotzdem wurde es da ungemütlich in der Mannschaft“.

Der Endstand war 4:1 und der Einzug ins Finale konnte nicht mehr genommen werden. „Aber dieses Gegentor hätte uns beinahe zerstört, es ging ein Riss durch die Mannschaft, plötzlich bildeten sich Grüppchen und das so kurz vor dem Finale... Da mussten wir uns dann zusammenraufen. Ich weiß noch genau, wie der Collini nichts machte und Reese und Kamke rumstanden und niemand hielt eine Rede. Das war emotional sehr beeindruckend und ein Ruck ging durch die Mannschaft und jeder einzelne wusste plötzlich wieder, was auf dem Spiel stand. Das war ein echter Gänsehautmoment, wenn Sie wissen was ich meine, ne?“

Dann war es endlich so weit, das Spiel der Spiele wurde angepfiffen, Reesenball Felge gegen die Freien Turner. „Die hatten in den Vorspielen ja schon gezeigt, was sie drauf hatten und wir hatten ziemlich viel Respekt vor ihnen. Und dann dieser eine Ball ganz am Anfang des Spiels... wer weiß, was passiert wäre, wenn der reingegangen wäre, dann wäre vielleicht alles ganz anders gekommen“. Der Spielbeobachter meint natürlich diesen unfassbaren Ball, der von der Mittellinie aus auf das Tor der Reesenballer kam und lang und länger wurde und in letzter Sekunde vom brillanten Torwart teqqy abgewehrt werden konnte. „Dann kam das 1:0 für uns, ich weiß gar nicht mehr, wer das war und postwendend der Ausgleich, da wussten wir, oha, das hier ist eine noch schwerere Aufgabe als die Spiele zuvor, zumal wir dann ja das 2:1 machten und die schon wieder sofort ausglichen.“

Am Spielfeldrand eskalierten die Fans, die eher auf der Seite der Freien Turner waren. „Ja, die mochten uns nicht“ sinniert der ehemalige Fußballer, „ich weiß gar nicht, was da los war, das mit den Pyros war ja hübsch und dann immer diese Sprechchöre gegen uns“. Er schüttelt den Kopf. „Egal, lass die Leute reden, was zählt ist die Tatsache, dass wir dann noch zwei Dinger vorne gemacht haben und die keins mehr. Zwei plus zwei macht vier und zwei plus null macht zwei,“ - Da ist es wieder, das berühmte Bonmot, das heute zu einem geflügelten Wort geworden ist, wenn man beschreiben will, dass man gegen viele widrige Umstände eine großartige Leistung abgeliefert hat.

„Und dann der Schlusspfiff, da brach alles aus mir heraus und über mich herein und ich wusste gar nicht mehr, was ich tat und dann hab ich was verrücktes gemacht und den Reese umarmt. Tja, na ja gut, tkschlandsieger wird man ja auch nicht alle Tage, ne?“ Er lacht jetzt über das ganze Gesicht bei der Erinnerung an diesen glücklichen Moment. Dann wird er wieder still. „Das ist ja so, da erreichst Du so etwas und dann merkst Du erst hinter her, wie Dir alles weh tut und was Dir alles passiert ist, ich zum Beispiel hab das letzte Viertel des Spiels mit einem fast beinahe gedehnten Band im Knöchel gespielt. Aber das merkst Du gar nicht in dem Moment, ne, und dann am nächsten Tag oder am übernächsten Tag, da merkst Du dann, jetzt ist wieder alles grau, ne. Und alles tut weh. Aber das war es wert, den Moment kann Dir keiner nehmen.“

Sagt es, blickt noch einmal in die Ferne den Erinnerungen hinterher, nimmt einen tiefen Zug von der Zigarette, nickt, steht auf und schlurft davon. Einer von Neunen, die an diesem Tag in Köln die Welt eroberten. Nicht ihr Kopf, nicht ihr wertvollster Spieler, ein „Wasserträger“ und „Seitensteher“, wie er selber sagt, aber ein Welteneroberer.

tkschlandsieger
Foto: Die Wundervolle @rudelbildung

Dienstag, 28. April 2015

Die ruhmreiche Fußballkarriere des Martin S.

Der Kamke ist schuld. Ein Satz, mit dem viel mehr Blogbeiträge begonnen werden sollten. Nicht von mir natürlich, ich schreibe ja kaum noch welche. Es sei denn, der Kamke drängt mich dazu. Wie neulich auf Twitter, als es, wenn ich das recht erinnere, um Jugendfußballerfahrungen ging und ich eine halbgare Anekdote einwarf und der Kamke mich mit quasi erhobenem moralischen Zeigefinger bedrängelte, ich möge das doch bitte in einem Blogbeitrag verarbeiten. Was ihm natürlich nicht klar war, ist, dass ich keineswegs über sein exzellentes Gedächtnis verfüge und die wichtigen FaktenFaktenFakten allesamt vergessen habe. Und den Rest in der Zwischenzeit verklärt habe. Und somit nichts der Wahrheit entspricht, wie immer auch die ausgesehen haben mag. Was ich ja nicht mehr weiß. Weswegen es sich vielleicht doch genauso zugetragen haben mag.

Es begab sich vor ziemlich genau dreißig Jahren. Der Autor dieser Zeilen war offenbar gerade zwei, drei Monate zuvor sechzehn geworden und hatte bis dahin eine fußballerische Karriere hingelegt, die in ihrer Bedeutungslosigkeit ihresgleichen sucht. Sie beschränkte sich auf das Kicken mit den Nachbarjungs auf der ruhigen Straße, alle nicht viel besser als ich und somit ohne Lehrpotential, und Einsätzen während Klassenspielen. In einem schoss ich sogar mal zwei Tore, wer weiß, wie das geschehen konnte.
Vermutlich war das auch der Grund, dass ich "Sturm" antwortete, als ich gefragt wurde, wo denn meine Position sei, in jenem Moment, in dem der Traum wahr wurde und ich mittat in einem richtigen Fußballverein. Zuvor hatte Muttern ähnliche Wünsche immer abschlägig beschieden, aus der heutigen Reflektion heraus vermutlich, um mehr Individualität anzuerziehen (Das willst Du doch nur, weil das alle machen) und aus ihrer eigenen Affinität zur Leichtathletik heraus. Aber ich komme ins plaudern und dabei hat die eigene Anekdote noch nicht einmal angefangen.

Wie dem auch sei. Es erfolgte ein Umzug nach Norddeutschland in ein Nest, in dem alle Handball spielten. Vielleicht war das der Grund, dass meiner grandiosen Fußballkarriere nun nichts mehr im Wege stand und so wurde ich Mitglied beim ruhmreichen TuS Varel 09. Und sagte "Sturm". Und war nicht gut. Eher Ersatzbankmaterial. Was ich bis heute nicht verstehe - also, dass ich wirklich nicht gut war, nicht dass es nicht für die erste Elf reichte - aber es ist durchaus möglich, dass mir das eine oder andere, was nötig gewesen wäre, um besser zu sein, erst spät, sehr spät zuwuchs. Auge, Ahnung, Spielverständnis, solche Dinge, Sie wissen schon. Sportlich war ich, Ballbehandlung war nicht toll, aber in Ordnung.
Was ganz sicher nicht gut war, war mein Torschuss, der ist auch nie besser geworden, jedenfalls nicht bis es mir vor ein paar Jahren beim Wiesenkick den Meniskus zerfetzte. Seitdem hab ich es nicht wieder ausprobiert, aber ich nehme an, es ist nicht besser geworden. Mir fehlte der Wumms, komplett. Klebe Fehlanzeige. Beste Voraussetzungen also für einen Stürmer.
Nun begab es sich, dass die Spieler um mich herum auch nicht gut waren. Besser als ich, größtenteils, aber nicht gut genug für die Liga. Die nämlich hatte die A-Jugend, in die ich kam, geerbt vom vorhergehenden, weitaus besseren Jahrgang. Um es mit ein paar Vielleicht-Fakten (siehe Exkurs weiter oben zum Thema Wahrheit) bebildern: Ich glaube, es war die Bezirks-Oberliga und ich glaube, es war die dritthöchste Spielklasse in der damaligen A-Jugend. Heute ist das alles anders sortiert, eine Junioren-Bundesliga z.B. gab es noch nicht. Glaube ich.

Vielleicht also hieß das alles ganz anders, das Einzugsgebiet der Gegner war jedenfalls groß. Von den um die Ecke liegenden Wilhelmshaven und Oldenburg (VfB und VfL) bis nach Stade und hinunter bis nach Georgsmarienhütte, zu TuRa Melle und, ich glaube, Eintracht Nordhorn. War nicht sogar die Mannschaft des VfL Osnabrücks dabei? Ich werde es vermutlich nie erfahren.
Das erste augenscheinliche Ergebnis dieser hohen Spielklasse und der damit verbundenen Gegner waren unchristliche Aufstehzeiten. Sonntägliche Treffen um Sechs. Morgens. Bitte versuchen Sie sich in die Zeit, in der Sie sechzehn, siebzehn waren, zurückzuversetzen, es dürfte Ihnen leichter fallen als mir, da es weniger weit weg ist: Es gibt in dem Alter wirklich besseres als Sonntags früh in der Kälte zu stehen und auf den Kleinbus zu warten, der Sie nach Jottwehdeh transportieren soll.

Vor allem dann, und damit kommen wir zum Kern der Sache (hier beginnt die eigentlich recht kurze Anekdote), wenn Sie einerseits sehr gute Chancen haben, den Tag auf der Ersatzbank zu verbringen und andererseits die Chancen, dass am Ende wenigstens ein Sieg herausspringt, ungleich kleiner ist. Sagen wir es wie es war: Wir begannen die Saison mit einer beispiellosen Niederlagenserie. Der Trainer wurde gewechselt, was kein Verlust war, der alte hatte wenig beibringen können. Der neue allerdings auch nicht. Die Niederlagenserie ging weiter. Der Trainer wurde noch mal gewechselt, der Winter kam, die Niederlagenserie hielt an. Kein Punkt, kein einziger. Die Rückrunde begann und alles wurde schlechter. Verglichen mit der Stimmung in der Mannschaft wäre ein Haifischbecken eine Wellnessoase. Sie können sich vorstellen, dass das vor allem zum unteren Ende der mannschaftlichen Hierarchie durchgereicht wurde. Ich winke an dieser Stelle, damit Sie sich ungefähr vorstellen können, wohin.
Die Niederlagenserie hielt. Wir wurden immer weniger, da der eine oder andere beschloss, besseres zu tun zu haben, als sich Sonntagsmittags die Hucke voll hauen zu lassen. Was gut war, denn es erhöhte meine Einsatzzeiten drastisch. Schlecht daran war, dass wir manchmal nur mit neun oder zehn Mann aufliefen. Gegnerische Trainer begannen wüst und in unflätigsten Tönen ihre Mannschaft zu beschimpfen, wenn sie das Gefühl hatten, wir könnten den schon kassierten sechs oder acht Toren vielleicht mal eins entgegen setzen. Was selten geschah. Ich beging ein böses ungeahndetes Revanchefoul, was aber eine andere, noch belanglosere Geschichte ist. Nur soviel: er hatte es verdient. Tore schoss ich keine. Aber ich hielt durch.

Die Niederlagenserie hielt auch durch. 0 Punkte, nach wie vor. Die Anzahl der Kisten Bier, die uns von den uns verhöhnenden erwachsenen Vereinsmitgliedern versprochen waren für den Fall, dass wir doch mal aus Versehen einen Punkt ergattern sollten, wuchs. In der Theorie. In der Praxis: Die Niederlagenserie hielt.
Ich gab auf. Ging nicht mehr hin. Spaß war schon lange nicht mehr gegeben. Nicht im Training, nicht in der Mannschaft, nicht im Spiel, aber ich hatte durchhalten wollen, nicht das Handtuch werfen. Was genau den Ausschlag gegeben hatte, weiß ich leider nicht mehr. Warum auch immer: ich gab auf, drei, vier, fünf Spieltage vor Schluss.

Das nächste Wochenende, das nächste Spiel kam, ohne mich, weder auf dem Spielfeld, noch auf der Ersatzbank.

Endergebnis: 1:1. Et voilà.

Ein, zwei Jahre später versuchte ich es nochmal, beim TuS Jaderberg in der 2. Herren, ich schoss sogar Tore, wir stiegen auf, es war nicht alles schlecht im Vereinsfußball. Bis ich im Vorbereitungsspiel zur neuen Saison an einem Tag mit weit über 30 Grad kotzen musste und der neue Trainer mich bepöbelte, warum ich meine Mannschaftskameraden so im Stich ließ. Dann war Schluss. Aber das ist eine andere Geschichte. Und diesmal dermaßen uninteressant, dass sogar der Kamke da nichts machen kann.

Freitag, 21. September 2012

Fragen und Antworten

Sei einer Woche grübel ich, was ich so schreiben könnte, zum Kellerduell meiner beiden Herzvereine. Das Problem dabei ist, dass es aufgrund der Tabellenkonstellation sehr modrig riecht und der Verlierer - so es denn eine der beiden Mannschaften schafft, ein Tor zu schießen - tief ins Jammertal gestoßen wird. Was mir natürlich weder hüben noch drüben passen würde. Und so überkam mich jedes Mal große Unlust, über das Thema überhaupt nur nach zu denken, wenn ich mich meinem Blog näherte.
Da hilft es, wenn jemand kommt und ein paar Fragen stellt, das hat die Sektion Twitter getan, meine Antworten findet Ihr im Blog derselbigen.

Sonntag, 2. September 2012

Gedanken zum Fall Pezzoni

Es fällt schwer, die richtigen Worte zu finden. Zunächst einmal der Ungeheuerlichkeit des Geschehens selbst gegenüber. Dass es Menschen gibt, die glauben, sie hätten durch irgendetwas das Recht, einen Fußballspieler für seine Leistung zur Rechenschaft zu ziehen. Als sei er ihnen etwas schuldig, als gäbe ihnen ihr gekränktes Ego die Berechtigung den Fußball spielenden Menschen zu objektifizieren, ihn zu entmenschlichen und ihn so seiner Grundrechte zu berauben.
Der Prozess der Egobefriedigung durch Entmenschlichung ('Ich komm hier zu jedem Heimspiel / fahr zu jedem Spiel und zahl viel Geld und investiere viel Zeit und deswegen ist mir dieser Fußballspieler etwas schuldig') fängt schon deutlich früher an, beim auspfeifen der eigenen Spieler zum Beispiel - jeder Mensch weiß, dass Pfiffe noch keinen Spieler besser gemacht haben, das aber spielt keine Rolle, wenn die Verletzung des eigenen Egos ein Ventil braucht. Natürlich ist es ein gewaltiger qualitativer Unterschied, ob ich pfeife, das Internet mit Flüchen vollschreibe oder eben versuche, Spieler X vor seiner Haustür abzupassen. Diese Grenzüberschreitung, weg vom Dasein als Teil der zuschauenden anonymen Masse, die zum Spiel gehört, deren unmittelbare Reaktionen zum Spiel gehören, hin zur persönlichen Konfrontation und Abrechnung zwischen Fan und Spieler ist natürlich nicht tolerierbar. Diese Feststellung, so selbstverständlich sie ist, ändert aber noch nichts. Und etwas zu ändern wird schwer.

Es ist kein Kölner Problem, auch wenn die sportliche Misserfolgsgeschichte, das spezielle Kölner Verhältnis zum ersten Klub in der Stadt sowie möglicherweise die Größe der Stadt Vorkommnisse dieser Art vermutlich eher begünstigen als an anderen Standorten. "Wenn Ihr absteigt, schlagen wir Euch tot" prangte zwar unerträglicherweise als Botschaft an die Mannschaft auch schon am Geissbockheim, ist aber auch aus anderen Standorten bekannt. Auch das ist schon Grenzüberschreitung, eine Drohung, ein Einfordern eines imaginierten Rechtes auf Erfolg. Solche und ähnliche, nicht weniger martialische und gewalttätige Äußerungen finden sich auch in Foren und anderen Social Media-Seiten, vorne weg natürlich auf Facebook. Natürlich ist nicht jeder, der Spieler X oder Y verbal zum Teufel jagt, auch willens diese Botschaft per Hausbesuch zu überliefern. Im Gegenteil, für fast alle ist dieser Gedanke völlig abwegig, wenn nicht sogar für alle, schließlich wissen wir nicht, wer da vor der Haustür des Spielers stand und woher die Motivation für diesen Schwachsinn kam.

Betrachtet man allerdings Facebookgruppen wie "Pezzoni in die Wüste" ist es nicht schwer vorstellbar, dass da für den einen oder anderen die praktische Umsetzung der ausgesprochenen Drohung nicht allzu fern liegt.
Dass das Internet, wie auch Medien und Stadionstimmung, zu einem Klima beitragen, welches Menschen motiviert, die die oben beschriebene Entmenschlichung der Spieler über die Grenze hinauszutreiben, klingt nicht allzu absurd. Und vielleicht ist das der Punkt, an dem jeder einzelne etwas tun kann, im Stadion, im Gespräch mit anderen oder zu Hause vor dem Rechner: Öfter als zuvor innehalten und sich fragen, welchen Umgang mit den Spielern man da gerade etabliert. Auch wenn zwischen Wort und Tat ohne Frage ein Unterschied liegt.

Und der Verein, was kann der tun? Jürgen Klopp hat gestern dem FC den schwarzen Peter zugeschoben, eine Betrachtungsweise, die er zwar später im Aktuellen Sportstudio deutlich entkräftigte, die bis dahin aber schon längst ihren Weg in die Medien gefunden hatte. Und in der Tat, auf den ersten Blick mutet es wie ein Zurückschrecken des Vereins an, wie ein klein beigeben. Eine gefährliche Interpretation jedoch, wenn man nicht die tatsächlichen Gespräche kennt, eine völlig falsche, nimmt man die Statements des Vereins und des Spielers zur Vertragsauflösung ernst, demnach die Vertragsauflösung seitens des Spielers gewollt wurde. Dass der FC Pezzoni los werden wollte, darf hingegen in das Reich der Fabeln und Märchen verwiesen werden, es macht keinen Sinn, einen Spieler die große und kostspielige Säuberung des Kaders dieses Sommers überstehen zu lassen, ihn in die Stammformation zu stellen und ihn dann plötzlich loswerden zu wollen, ganz abgesehen von dem finanziellen Verlust.
Die kritische Frage, die es seitens des FC allerdings zu beantworten gilt ist, ob der Verein sich ebenso einem Vertragsauflösungswunsch gebeugt hätte - und damit den hausbesuchenden Vollidioten das Gefühl des Sieges gestattete - hätte es sich bei dem attackierten Spieler um einen Spieler des Formats Podolski gehandelt.

Ich wünsche dem Spieler und Mensch - und komme mir hier recht dämlich vor, betonen zu müssen, dass es sich bei einem Sportler, der natürlich auch Ware und abstraktes Idol ist, tatsächlich um einen Menschen handelt - viel Glück.
Mach et joot, Kevin.

Samstag, 11. August 2012

Eine Bestandsaufnahme

Das zweite Spiel der Saison 12/13 liegt hinter dem 1. FC Köln und mittlerweile sind wir tatsächlich klüger. Wir wissen, dass die Prognosen, der FC würde dieses Jahr wohl eher nicht zu den großen Aufstiegskandidaten gehören, keine Unkenrufe waren. Wir wissen auch, dass die neu zusammengestellte Mannschaft noch Zeit braucht, um tatsächlich zu solch einer zu werden - im sportlichen, nicht im psychologischen Sinne. Wir erahnen, dass es wohl viele Anhänger gibt, die - wie der Autor (also icke, ne) selbst auch - zwar von Geduld und niedrig angesiedelten Erwartungen reden, gefühlte Niederlagen gegen einen Aufsteiger aber doch schmerzen. Selbst wenn es genau solche Spielausgänge gegen genau solche Gegner sind, auf die man sich nun einen Sommer lang mental vorbereitet hat und die eben sportliche Versinnbildlichung des erzwungenen neuen Kurs des 1. FC Köln sind.

Langsam können wir auch abschätzen, was das neue Personal bringt. Vor allem bei der Abwehr fällt es noch schwer, da sich sowohl Braunschweig als auch Sandhausen weitesgehend defensiv formierten und so wenige Angriffe Richtung Kölner Tor brachten - die allerdings waren häufig gefährlicher als das Kölner Angriffsspiel, weil der Kontext des Spieles ihnen zwangsläufig mehr Räume gab. Timo Horn hatte wenige Gelegenheiten, sich auszuzeichnen, führte im ersten Spiel gegen Braunschweig allerdings eine in Köln lange nicht mehr gesehene Fähigkeit vor: Abschläge, die beim eigenen Mann landen. Hui. Das es so etwas noch gibt. Gegen Sandhausen war es mit dem Traum auch schon vorbei, hoffen wir, dass es eine Wiederholung der Braunschweiger Vorstellung Horns gibt.
Die Innenverteidiger Dominic Maroh und Kevin Wimmer stehen bislang zufriedenstellend - Maroh scheint eher ein Verteidiger der rustikaleren Art zu sein, es steht zu befürchten, dass da noch manch Elfmeter auf den FC zu kommt.
Matthias Lehmann soll der Chef des Kölner Mittelfeldes sein, mit seiner Erfahrung in dieser jungen Mannschaft aus der Tiefe der Sechser-Position das Spiel ordnen und die Bälle verteilen. In beidem scheint noch Luft nach oben zu sein. Zwei spielstarke Außen sollten wohl das Herzstück des offensiven Mittelfelds sein, Christian Clemens und Adil Chihi. Beide sind verletzt, Clemens verletzte sich bereits vor der Saison und Chihi im gestrigen Spiel gegen Sandhausen. An Clemens statt spielt Neuzugang Daniel Royer und macht seine Sache dort mutig und mit dem notwendigen Willen, nach vorne zu spielen - ohne allerdings zu glänzen.
Im Sturm spielen anderthalb Neuzugänge, der Heimkehrer Thomas Bröker und Fast-Neuzugang Chong Tese. Nach den Eindrücken dieser ersten beiden Spiele läßt sich wohl sagen, dass hier das größte Problem des FC liegt. Bröker erledigt den einen Teil seiner Aufgabe als hängene Spitze, das Bälle annehmen, halten und verteilen, dank seiner physischen Stärke sehr gut. Geht es allerdings Richtung Tor, wird es weniger gut. Allein im gestrigen Spiel hätte er dreimal klug zu einem besser postierten Mitspieler ablegen müssen, entschied sich aber selbst den Abschluss zu suchen, was leider immer recht kläglich endete, mit Ausnahme des Pfostentreffers anfangs der zweiten Spielhälfte. Zu egoistisch und mit zu wenig Torjägerinstinkt ausgestattet, so scheint es. Chong Tese gibt leider ein noch schlechteres Bild ab: Zwar kämpft der Nordkoreaner vorbildlich und geht weite Wege, seine Abschlüsse allerdings sind nicht erwähnenswert, in der Regel ist der Ball weg, bevor er dazu kommen kann. Mikael Ishak, in beiden Spielen von der Bank ins Spiel gekommen, hat leider nicht zeigen können, dass er den Bankplatz zur Zeit unberechtigterweise inne hat. "Blass" wäre wohl das richtige Wort für die Vorstellungen des jungen Schweden.

Insgesamt scheint der FC leistungsmäßig da zu starten, wo er erwartet werden konnte und musste: Eine Mannschaft, die in der Lage ist kompakt und gut zu spielen, allerdings nicht so gut, dass sie eine Rolle im Aufstiegskampf einnehmen kann. Die Ergebnisse sind knapp und hätten in beiden Fällen auch anders ausgehen können, insbesondere der Glücksschuß der Sandhausener in der letzten Minute gestern gestaltet die Bilanz negativer als notwendig. Allerdings haben sich die Kölner das 1:1 selbst zuzuschreiben, nach dem 1:0 zog sich die Mannschaft zu weit zurück, statt das Heft des Handelns in der Hand zu behalten und vergab auf allerkläglichste Weise die sich dadurch ergebenen Konterchancen. Insbesondere Mato Jajalo, ansonsten nach seiner Einwechslung für den verletzten Chihi sehr gut aufspielend, muss sich hier manchen Vorwurf gefallen lassen.

Der 1. FC Köln hat sich gescheut, den Aufstieg als Ziel auszugeben und das ist gut so. Die Mannschaft gibt es - im derzeitigen Zustand - nicht her und, vorallem, braucht die Zeit ohne den Druck aufsteigen zu müssen. Jetzt muss nur noch das Umfeld das kapieren. Und sollte es noch gelingen, einen der aussortierten teuren Spieler zu verkaufen und nach Abzug dessen, was zur finanziellen Konsoldierung nötig ist, noch Geld da sein, muss wohl ein neuer, mit höherem Torinstinkt ausgestatteter Stürmer her.

Donnerstag, 5. April 2012

Der Trainer, die Mannschaft und der ganze Rest.

Vieles ist geschehen in den vergangenen Tagen beim Verein, bei dem es leider niemals langweilig wird. Wo fangen wir an, wo hören wir auf?

Beginnen wir mit der Trainerfrage.
Wer dieses Blog oder mich oder beides kennt, weiß, dass ich gewiss nicht zu jenen gehöre, die in einer vertrackten sportlichen Situation einen Trainerwechsel für ein erfolgsversprechendes Rezept halten. 21 Trainer nahmen in den vergangenen 20 Jahren auf der Trainerbank des 1.FC Köln Platz (inklusive 4 Interimstrainer), Kontinuität in Trainingsarbeit, taktischer Marschroute sowie Mannschaftsführung und -zusammenstellung ist also seit zwei Jahrzehnten ein Fremdwort in der Domstadt - um zu erkennen, dass dabei nichts Gutes herauskommen kann, muss man kein Fußballexperte sein. Trotzdem sind Zweifel an der Arbeit Ståle Solbakkens durchaus verständlich. Ließen sich anfängliche Schwierigkeiten noch mit der Systemumstellung rechtfertigen, ist der Absturz in der Rückrunde eher kein Aushängeschild für den Norweger. Es gibt eine Reihe von Faktoren, die für die schlechte Leistung der Mannschaft herangezogen werden können und auch in Artikeln, die sich mit dem Problem beschäftigen, herangezogen werden: Die permanente Unruhe im Verein, angefangen bei der plötzlichen Demission des Ex-Präsidenten Overaths bis hin zu den angeblichen Machtkämpfen zwischen dem inzwischen entlassenen Sportdirektor Finke und Solbakken zum Beispiel. Oder die seit Jahren immer wieder erhobene Behauptung, die Mannschaft sei alles Andere als das, nämlich eben keine Mannschaft. Aber spätestens der letzte Punkt fällt auch in den Aufgabenbereich eines Trainers, ist also ein Punkt, der eher nicht zur Entlastung Solbakkens beiträgt. Die Zwickmühle, in der der Verein hinsichtlich seines Trainers steckt, zeigt sich bestens am Festhalten des Trainers an seiner taktischen Marschroute, die unter anderem zu der höchsten Anzahl an Gegentoren in der Liga führte: Einerseits ist der Abstieg mittlerweile ziemlich wahrscheinlich geworden - aber des kurzfristigen Erfolges zu Liebe wieder mitten im Rennen die Pferde zu wechseln, würde möglicherweise unter günstigsten Umständen den Klassenerhalt bringen, das Areal der verbrannten Erde aber um viele Hektar vergrößern. Das Beharren des Trainers auf seine taktische Idee gegen Widerstände innerhalb der Mannschaft und das Festhalten des Vereins am Trainer sind Neuland für den 1.FC Köln und dringend notwendig - koste es, was es wolle. Das würde allerdings auch bedeuten, dass der Verein sein am vergangenen Sonntag entgegen der allgemeinen Erwartung ausgesprochenes Vertrauen in Solbakken auch bei einem Abstieg aufrechterhalten müsste und mit dem Trainer in die zweite Liga gehen müsste. Das allerdings darf, trotz der extrem hohen Sympathiewerte, die der Norweger aufgrund seiner lockeren Art und aufgrund der medialen Zuschreibung als der Gute im Kampf zwischen Finke und Solbakken genießt, bezweifelt werden. So bleibt dem FC-Fan nicht viel anderes übrig, als sich an den dürren Strohhalm der Hoffnung auf Klassenerhalt zu klammern und darauf zu setzen, dass auch ein Verbleib in der ersten Bundesliga zu der anscheinend nötigen Reinigung in der Mannschaft führt.

Die Mannschaft
Und diese Reinigung scheint bitter nötig. Wieder und wieder wird davon berichtet, die Mannschaft zerfalle in einzelne Gruppen, namentlich genannt wird dabei immer wieder die sogenannte "Portugal-Fraktion", der der mit einem Gnadenvertrag ausgestattete Petit, der ausgeliehene Henrique Sereno, sowie die beiden Brasilianer Andrézinho und Pedro Geromel angehören sollen. Schon unter Frank Schaefer soll sich die Gruppe quergestellt haben und auch jetzt wird ihr dies vorgeworfen. Dafür spricht, dass sowohl Petit (in dieser Saison noch kein Spiel) und Andrézinho (7 Saisoneinsätze) zu den vier von Solbakken in dieser Woche ausgemusterten Spielern gehören - zwei Spieler also, die keinen direkten Einfluss auf die schlechten Leistungen der Mannschaft haben können, also nicht aufgrund solcher suspendiert worden sind. Ein Indiz, nicht mehr, gewiss. Dass weder Geromel noch Sereno suspendiert worden sind, sagt nicht viel: Will der Verein die Klasse halten, kann weder auf den einen noch auf den anderen - trotz Formkrise im Fall des Kapitäns Geromel – verzichtet werden, wenigstens als Reservespieler.
Die größte Überraschung des suspendierten Quartetts ist sicherlich Kevin Pezzoni, ein Mann mit limitiertem fußballerischen Können, den schon manch Fan längst auf die Tribüne gesetzt hätte, der aber beim Trainer bislang einen erstaunlich hohen Kredit besaß. Umso erstaunlicher, dass dieser Pezzoni nun aussortiert. Ähnliches könnte man über die Degradierung Millivoje Novakovics sagen, der Stürmer spielt seit sechs Jahren beim FC und schoss in ligaübergreifenden 183 Spielen 81 Tore - seine diessaisonale Formkrise ist sicherlich Grund dem Slowenen eine "Denkpause" zu verordnen und ihn auf die Bank zu setzen - aber Suspendierung aufgrund schlechter Form in einer Mannschaft, deren schlechtes Offensivspiel einem Stürmer nicht gerade hilft zu glänzen? Dann aber denkt man an die sich seit Jahren sehr hartnäckig haltenden Gerüchte, Novakovic stünde dem Express sehr nahe - nach anfänglichen Schwierigkeiten verhöhnte das Blatt noch als "Novakonix", seit Jahren aber verliert der sonst so gerne zu vernichtender Kritik neigende Express kein schlechtes Wort mehr über den Stürmer, egal wie schlecht er spielt. Passend dazu ist jedenfalls, dass der stets bestens informierte Express aus dem zweitägigen Trainingslager, zu dem das Quartett der Suspendierten nicht mitreisen durfte, nichts zu berichten wusste. Stattdessen gab es Berichte über das Ersatztraining der vier "Ausgestoßenen", mit unkommentierten Beschwerden Novakovics und Pezzonis. Quelle Surprise.

Die Medien
Damit wären wir beim alten, leidigen Dauerthema beim FC und gezwungenermaßen auch in diesem Blog: Die Kölner Medienlandschaft. Man sollte meinen, der am vergangenen Sonntag erlittene Super-GAU, als erst der Express, dann der heute in Diensten des Senders SKY stehende ehemalige Pressesprecher des FC, Christopher Lymberopoulos, und schließlich alle Medien der Republik verkündeten, der FC werde Solbakken entlassen und stattseiner Frank Schaefer wieder als Cheftrainer einsetzen, habe etwas verändert. Das hat es natürlich nicht. Statt vor der eigenen Tür zu kehren, wurde die mediale Bruchlandung flugs zu einem Beleg für die chaotischen Verhältnisse innerhalb des Vereins umgedichtet, frei nach dem Motto: Wenn Ihr nicht den Trainer entlasst, wenn wir das verkünden, seid Ihr ein Chaosclub. Das reizte auch den Trainer so sehr, dass er noch zwei Tage später vor versammelter Medienschar wütend wurde und mehr Respekt verlangte - er sei schließlich immer offen und fair mit den Medienvertretern umgegangen, er könne auch aufhören mit den Medien zu reden und "dann könnt Ihr alle Eure Informanten benutzen. Ich glaube es gibt viele in diesem Verein. Und das finde ich sehr schlecht." Ein Grund mehr am Trainer festzuhalten.

Die Zukunft
Blickt man auf die Tabelle, weiß man, dass das Spiel am Samstag gegen Werder Bremen ein sehr wichtiges ist. Wie jedes Spiel, das noch folgt in dieser Saison. Es ist nicht das Entscheidungsspiel, als welches es mittlerweile gilt. Die drei Punkte eines Sieges werden einen möglichen Abstieg nicht verhindern. Den Abstieg verhindern kann nur eine deutliche Leistungssteigerung über die gesamte Zeit der Restsaison. Wichtiger noch als die drei Punkte ist also ein besseres Funktionieren der Mannschaft, das Restprogramm hat es in sich - neben den klar überlegenen Mannschaften aus München, Stuttgart und Mönchengladbach warten noch der wiedererstarkte SC Freiburg und ein Auswärtsspiel in Mainz, welches der 1.FC Köln in neun Versuchen erst einmal siegreich gestalten konnte. Drei irgendwie errungene Punkte gegen Bremen wären also sicher gut für die Mannschafts- und Fanseele, werden aber nicht ausreichen, um den Absturz noch zu verhindern.

Dienstag, 13. März 2012

Von einem der auszog, die Macht des Boulevards zu brechen und verlor

Jochen Hilgers, WDR Redakteur und Kenner des 1. FC Köln, am vergangenen Sonntag in Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs zu der Entlassung von Volker Finke:
"Finke hat es jedenfalls die ganze Zeit nicht geschafft, den Kölner Boulevard hinter sich zu bringen, sondern die großen Zeitungen in Köln waren eigentlich schon ziemlich früh von Finke nicht besonders gut überzeugt. Ich erinner mich auch an seine allererste Pressekonferenz, die er gegeben hat, da hat er seine Handynummer an die Journalisten ausgegeben, hat gesagt, ihr könnt mich dann erreichen zwischen 16.00 und 18.00 Uhr, da guckten die alle schon ganz komisch, vor allen Dingen die Kollegen von Bild und Express, und da sagt der Finke, nee, nee, Ihr habt mich nicht* ganz recht verstanden: Mittwochs von 16.00 bis 18.00 Uhr und damit war das Verhältnis von vorne herein eigentlich schon vergiftet. Das sind zwar Kleinigkeiten, zugebenermaßen, aber das merken sich die Journalisten und von da an hatte Finke immer einen schweren Stand, zumindestens in den Medien."

Noch Fragen?



* Das Interview mit Hilgers wurde am Telefon geführt und ich kann an dieser Stelle nicht genau verstehen, ob Hilgers Finke mit den Worten "Nee, nee, Ihr habt mich NICHT ganz recht verstanden.." oder "Nee, nee, Ihr habt mich SCHON ganz recht verstanden.." zitiert. Ändert ja aber am Inhalt nichts.

Dienstag, 7. Februar 2012

Legendenbauen live.

Manchmal ist diese mediale Mache so durchschaubar, dass man sich fragt, für wie einfältig die Machenden ihre Leser eigentlich halten. Heute im Kölner Stadt-Anzeiger zum Beispiel.

Die Vorgeschichte ist bekannt: Die Stürmersuche des FC im diessaisonalen Wintertransferfenster entwickelte sich zu einem wunderhübschen Stück Schmierenkomödie, dessen Verlauf bestens von donluka drüben bei spox wieder gegeben worden ist, weshalb ich hier das Ganze nicht noch einmal aufdröseln möchte. Für den faulen Leser nur eine kurze Inhaltswiedergabe: Nach wochenlanger Stürmersuche und vielen von der Presse gehandelten Hochkarätern präsentierte der FC am Ende den Ex-Bochumer Chong Tese. Über das Zustandekommen des Transfers gibt es verschiedene Versionen, in den meisten dieser Geschichten gibt es den sympathischen Protagonisten - Trainer Solbakken - welcher den Nordkoreaner, Südkoreaner und Japaner je nach Version entweder gar nicht haben wollte, gar nicht gefragt wurde oder davon, dass kein Geld für einen der anderen Kandidaten da war, nicht begeistert war, und den machtgierigen Antigonisten - Sportdirektor Finke -, der über alte Kanäle (in diesem Fall: Jens Todt, ehemaliger Spieler unter Finke, jetzt Bochumer Manager), was aus einem mir nicht bekannten Grund etwas Böses ist, schlechte Stürmer kauft, um dem 1. FC Köln zu schaden. Oder so ähnlich.

Lange Rede, kurzer Sinn: Chong Tese gilt als Finke-Mann. Nein, genauer gesagt: Als Finke-Flop. Hat zwar noch keine Sekunde gespielt, aber mit solcherlei Sperenzien müssen sich Neuzugänge in Köln auch nicht aufhalten, um als Flop oder Top eingestuft zu werden.

Nun kam das erste Spiel mit "dä Chines" im Kader. Im Kader, wohlgemerkt, nicht auf dem Spielfeld. Dass Tese nicht von Beginn an dabei sein würde, war klar, das gab auch wenig Interpretationsspielraum nach gerade mal drei Tagen im Mannschaftstraining. Eingewechselt würde er auch nicht werden, wußte der Express schon drei Tage vor dem Spiel und sollte recht behalten, statt seiner wurden die beiden Offensivkräfte Odise Roshi und Mikael Ishak ins Spiel gebracht.

Und bekanntermaßen erfolgreich: Der Albaner Roshi schoß das Tor des Tages. Was die freudig gelöste Runde, der ich im Anschluß an das Spiel beiwohnte, dazu veranlaßte zu witzeln, dass der Torschütze nun bestimmt zu einem Solbakken-Liebling ernannt werden würde, um die hübsche Geschichte des Zwistes noch ein wenig abzurunden, frei nach dem Motto "Finke-Flop Tese auf der Bank, Solbakken-Star Roshi schießt das Tor", unter Umgehung der Tatsache, dass beide, sowohl Solbakken als auch Roshi zeitgleich zum FC kamen und von Finke verpflichtet wurden.

Gut, Solbakken-Star steht da nicht, aber "Solbakkens Entdeckung Odise Roshi" ist eigentlich noch viel, viel besser. Well done, Kölner Stadt-Anzeiger. Später, wenn ich die Weltherrschaft an mich gerissen habe und meine Diktatur eingerichtet habe, hätte ich Euch gerne als Chefpropagandisten. Ginge das?

Montag, 5. Dezember 2011

Was es zu holen gab in Stuttgart

Es ist ja mittlerweile gute Tradition geworden, das der 1. FC Köln in Stuttgart beim dortigen VfB gut aussieht, jedenfalls was die Punkteausbeute angeht. Seit ca. 24307 Jahren nicht mehr verloren, so wurde vor dem Spiel am vergangenen Wochenende allenthalben vorgerechnet. Selbst die Stuttgarter selbst sahen das so. Und in der Tat, gelang es dem FC ungeschlagen und mit einem Punkt mehr auf dem Punktekonto nach Hause zu fahren.

Es mag auf den ersten Blick in Anbetracht der Tabellensituation arrogant klingen, aber dieser eine Punkt war keineswegs das wichtigste schwäbische Souvenir, das seinen Weg in die Domstadt fand. Viel wichtiger war der späte Ausgleich in Hinsicht auf die Moral.

Eine der übelsten, den FC seit mittlerweile geraumer Zeit begleitende, Krankheit ist nämlich bekanntermaßen die sogenannte hängende Schulter, deren Symptome - Verlust jeglicher positiver Körpersprache, Fortfall der strukturellen Ordnung, Einbuße des Glaubens an die eigenen Fähigkeiten - besonders stark nach Gegentoren zu Tage treten. Ein Spiel, wie es in der ersten Halbzeit gegen Stuttgart zu sehen war, in Form einer frühen Führung aus einer sehr defensiven Grundhaltung heraus und trotzdem zwei folgende Gegentore noch vor der Pause, ist der allerbeste Nährboden für diese Krankheit. So nahm es kein Wunder, dass die FC-Spieler vom Feld schlichen als der Halbzeitpfiff ertönte und schlimmstes musste für die zweite Halbzeit erwartet werden. Sicherlich nicht, dass da noch irgendwas zu holen sei.

Doch es kam anders und das ist hoffentlich etwas, das mitgenommen werden kann: Der FC begann die zweite Halbzeit deutlich druckvoller als er die erste beendete, der vielgerühmte Wille war erkennbar. Noch immer gab es eine unglaubliche Anzahl an Fehlpässen, noch immer haarsträubende Abwehrfehler und ja, der VfB trug auch sein Scherflein dazu bei, dass der Vorsprung nicht größer wurde. Odise Roshi machte auf dem rechten Flügel zwar nicht das Spiel seines Lebens, war allerdings deutlich auffälliger als Christian Clemens, der auf gleicher Position in Halbzeit Eins gerade mal auf 0,7 Ballkontakte gekommen war. Dadurch hatte das Spield des FC plötzlich zwei Flügel, ein großer Vorteil, will man ein Fußballspiel erfolgreich gestalten.

Und selbst zum Schluß hin, die Minuten verrannen, hinten hielten Rensing und das Stuttgarter Unvermögen den FC im Spiel, die Kölner Sturmgranaten M.C. Kenna und Stolperfreis waren ins Spiel gekommen, der Ausgleich lag trotzdem nicht in der Luft, selbst dann also, als es schwer danach aussah, als sei dann heute das Ende einer drölfmillionen Jahre dauernden Serie gekommen - da wollten sie immer noch. Unbedingt diesen Ausgleich erzielen, unbedingt unbesiegt sein, unbedingt einen Punkt mitnehmen.

Im Fußball zählen die Ergebnisse und die Tabellensituation verlangt nach Punkten, und so wäre der Blick auf das Spiel ein anderer, wäre Lukas Podolski nicht noch in die Gelegenheit gekommen die schwerste Kölner Waffe, den Sololauf des Prinzen auf halblinks auf das Tor zu, einzusetzen. Aber eigentlich, eigentlich war das nicht wichtig. Wichtig war, dass die Mannschaft des 1. FC Köln sich nicht aufgab. Anderswo eine Selbstverständlichkeit vermutlich, nicht so beim FC, saison-, mannschafts- und trainerübergreifend. So bleibt zu hoffen, dass es am vergangenen Wochenende wichtigeres zu holen gab als einen Punkt und den Fortbestand einer Serie: Den ersten Schritt der Genesung von einer schlimmen Krankheit.

Donnerstag, 1. Dezember 2011

Verein, Heimat, Identität und der ganze Rest

Eigentlich ist längst alles gesagt, in der von Johannes Schneider im Tagesspiegel unter der etwas reißerischen Überschrift "Ihr seid keine Unioner!" angestoßenen Debatte um Fanidentität im allgemeinen und das Unioner- und Berliner-sein im Besonderen. Sebastian vom Textilvergehen hat sehr lesenswert geantwortet und Frédéric im Zum Blonden Engel auch. Und beide haben nicht unrecht, beide treffen einen Teil des Nagels auf den Kopf, aber eben nur einen Teil. Johannes Schneider hat nämlich gar nicht mal so unrecht. Und das sag ich, zugezogener Berliner und ebenso Zweit-Unioner wie der von Schneider beschriebene J - allerdings mit dem sehr wichtigen Unterschied, dass ich kein Gladbachfan bin. Hehe.

Ich lebe mittlerweile in dieser Stadt länger als ich jemals zuvor in meinen 42 Jahren irgendwo lebte. Knapp, aber doch. Bin ich ein Berliner? Eine Frage der Grenzziehung, eine uralte Diskussion hier in dieser Stadt, die schon immer eine Zuzugsstadt war, jedenfalls in den letzten sagenwirmal hundert Jahren. Meine Heimat zu benennen fällt mir schwer, meine Kölner Wurzeln sind da und werden es auch bleiben, aber eigentlich bin ich inzwischen hier, in Berlin, viel stärker verästelt. Zwischendurch noch zehn Jahre Norddeutschland, Eltern, die durch die deutsche Geschichte und ihre Wirrungen ihre Kinder auch nicht da zeugten, wo sie selbst und ihre Eltern geboren wurden, et voilà, fertig ist die Heimatlosigkeit. Was weitaus dramatischer klingt als es ist. Weil ich es nicht anders kenne.

Ich kenne allerdings Menschen, die dieses Gefühl der Heimatlosigkeit auch empfinden, obwohl sie nie weggezogen sind, oder höchstens von Köpenick nach Prenzlauer Berg. Deren Familie hier seit Generationen in dieser Stadt verwurzelt sind. Menschen, die weltoffen sind und denen es völlig wurscht ist, ob jemand Kölner, Spanier, Sachse, Schwabe oder Türke ist, solange sie sich etwas interessantes zu erzählen haben. Die aber darunter leiden, dass sie im Supermarkt komisch angeguckt werden, wenn sie Berlinern oder in bayrisch angehauchtem Deutsch gefragt werden, ob sie denn kein Hochdeutsch könnten. In Berlin. Oder eben Mühe haben, an einem Auswärtsspieltag eine Kneipe zu finden, die das Union-Spiel zeigt (oder auch: das Hertha-Spiel zeigt), aber keine, eine zu finden, in der Werder oder der Effzeh läuft.

Und was, wenn nun das selbe in der Alten Försterei drohte? Oder, provokanter dahin gesagt, ist das nicht schon längst so? Als ich vor etwas mehr als zehn Jahren begann, die Heimspiele Unions zu besuchen, stellte ich fest, dass ich einen Großteil des Liedguts nicht kannte, noch nie gehört hatte. Das ist inzwischen längst nicht mehr so, auch wenn solche, die von sich behaupten, sie gingen zu Union und nicht zum Fußball, sehr verwirrt gucken, wenn sie feststellen, dass vieles, was in der Alten Försterei gesungen wird auch woanders gesungen wird, nur mit anderem Text ("Haha, hör mal, die singen Union-Lieder" - "Ähm, nein... ").
Dieser schon stattgefundene Wandel hat natürlich in erster Linie mit einem Wandel der Fußballkultur im allgemeinen zu tun (Stichwort Ultras) und weniger mit einem Wandel des Publikums in Köpenick zu tun, aber eben auch. Woher soll so jemand wie z.B. ich die alten Texte kennen?

Klar, ich war in Lovetch beim UEFA-Cup-Auswärtsspiel und in der Oberliga und bin ein Jahr lang in den nahe gelegenen Jahn Sportpark statt nach Köpenick gepilgert. Bin ich also Unioner? Die Antwort darauf ist weder ein klares Nein, wie von Schneider nahegelegt, aber eben auch kein so eindeutiges Ja, wie es Sebastian und Frédéric formulieren und das hat wenig damit zu tun, dass die Mannschaft aus der Domstadt immer noch die Nummer Eins in meinem Fußballherz ist. Sebastian hat völlig recht, wenn er mit den Worten "Heimat ist vor allem Gefühl und Liebe. Und glücklicherweise nicht Herkunft." schließt, und ja, ich möchte das auch für mich in Anspruch nehmen. Aber zu dem Gefühl und der Liebe gehört auch die Sensibilität das Vorhandene zu schützen. Nicht um jeden Preis und nicht gegen den Lauf der Zeit, der Veränderungen so oder so mit sich bringt, aber gegen den Input der eigenen Existenz und zwar dann, wenn sie droht, das vorhandene verschwinden zu lassen. Frédéric bezeichnet Schneiders Heimatbegriff als "museal" und geradezu "sarrazinesk", da er sich allein auf die Herkunft berufe, Heimat sei eine Frage der Wahl - das ist hübsch formuliert und für jemanden wie mich, der ich aus Köln am Rhein stamme oder ihn, der aus Wangen im Allgäu stammt und die wir uns Berlin als Heimat aussuchten auch völlig richtig. Aber was ist, wenn sich jemand die Stadt, in der er geboren und groß geworden ist, als Heimat erwählte und eines Tages vor die Tür tritt und feststellt, dass es diese Heimat gar nicht mehr gibt, und die Sprache dieser Heimat nur scheele Blicke erntet? Welche Wahl hat dieser Mensch?

Sich abfinden und das Gute im Neuen suchen und hoffentlich finden. So (und nur so - soviel zur Wahlfreiheit) funktioniert es im Großen, der Stadt. In einem Fußballverein, zu dem die emotionalen Bindungen womöglich größer, dessen Tribünenzusammensetzung aber keine gesellschaftliche Bedeutung hat, funktionieren die Dinge aber anders. Denn anders als von den Projektierern in Hoffenheim und Leipzig behauptet, spielt Tradition und Herkunft in der Tat eine wichtige identitätsstiftende Rolle als Kit und Mörtel.

Zum Abschluss zwei Dinge: Ich möchte weder im Großen (Stadt) noch im Kleinen (Fußballverein) dem Gewäsch von einer "Überfremdung" das Wort reden, dieses richtet sich nämlich immer gegen Menschen, die ebenfalls keine Wahl haben. Das Verschwinden des alten Prenzlauer Bergs zum Beispiel aber hat damit wenig zu tun, ganz im Gegenteil. Und: Bezogen auf den 1. FC Union Berlin ist diese Debatte eine, die sich wenn, dann auf eine Gefahr aus der Zukunft bezieht, denn in der Gegenwart scheint mir das Publikum in der überwiegenden Mehrzahl noch zu wissen, wo sie sind, warum sie da sind und wie man sich zu benehmen hat. Ohne Klatschpappen und Sitzkissen zu erscheinen zum Beispiel.

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