Montag, 25. Januar 2010

Dä Tschitschi: Von der Kunst der Geduld

Vor einem Jahr ungefähr zeichnete sich langsam ab, daß man um eine weitere Enttäuschung nicht herumkommen würde: Adil Chihi, junges Talent mit deutschen und marokkanischen Wurzeln, seit der Zweitliga Saison 2006/07 in der Profimannschaft des 1. FC Köln tätig, würde dann wohl doch nicht das werden, was man sich von ihm einst erhoffte.
Spätestens zum Ende der vergangenen Saison, in der er zwar 19 Einsätze tätigte, allerdings nicht einen einzigen dieser über 90 Minuten und zumeist nur als Joker im Spiel war, war dann jedem aufmerksamen Beobachter klar: Das wird nichts mehr. Die erste Liga ist schlichtweg zu groß für ihn. Chihi stagnierte seit mindestens anderthalb Jahren. Durchaus mit einer ansehnlichen Technik gesegnet, die schon in seiner Debütsaison - im Alter von knapp 18 Jahren - manchen Beobachter mit der Zunge schnalzen ließ, mangelte es ihm an Spielübersicht (häufig) und Durchsetzungsvermögen (fast immer). Was nützt ein schönes Dribbeling, wenn der Ball, ausnahmsweise mal nicht vertändelt, anschließend ohne Umstand in des Gegners Fuß gespielt wird?

Zum Beginn dieser Saison galt Chihi dann eigentlich nur noch als Bankdrücker, Ergänzungsspieler, wie sich das heutzutage nennt. Als solcher kam er auch am Anfang der Saison zum Einsatz, als der gesetzte Sturm Novakovic und Podolski noch verletzt und / oder unfit war. Und er enttäuschte die schlechten Erwartungen nicht: Kopf runter, da ist der Ball, da ist der Gegner und weg ist der Ball, stehen bleiben, enttäuscht gucken (das allerdings kann er wirklich gut). Am 4. Spieltag dann ein plötzliches Hoffnungszeichen, ein wunderschön geschossenes Tor bei der ansonsten katastrophalen Auswärtsniederlage in Hamburg. Aber es schien ein Strohfeuer zu sein, Soldo jedenfalls ließ an seiner statt lieber Sebastian Freis spielen und Adil Chihi wärmte die Bank.

Irgendwann gen Ende der Hinserie jedoch scheint etwas passiert zu sein. Ein, zwei Kurzeinsätze, ein Spiel gegen Freiburg von Beginn an - immer noch viel Murks, immer noch viel Zwang zum Aufstöhnen beim geneigten Zuschauer, doch langsam aber stetig häuften sich die guten Aktionen. Dann das letzte Rückrundenspiel gegen Nürnberg, eine gute Partie und immerhin eine Torvorlage. Und nun, zum Beginn der Rückrunde, man mag es kaum glauben, auch wenn es genau das ist, auf das man immer hoffte: Chihi ist präsent, deutlich exakter in seinen Flanken und Pässen und, man höre und staune, durchsetzungsfähig. Hin und wieder ist er noch da, der gute alte flattrige Moment, wenn er überhastet den Torwart anschießt oder den Ball leichtfertig verliert, aber es ist überdeutlich: Adil Chihi is back. In der Kölner Offensivabteilung, die insgesamt natürlich auch zur Zeit nicht gerade zur formstärksten aller möglichen ernannt werden kann, ist Chihi tatsächlich im Moment der wichtigste Spieler. Wer hätte solches vor einem oder einem halben Jahr prognostizieren wollen?

Wenn es ihm gelingt, diese Form konstant zu zeigen und auch weiterhin an den natürlich immer noch vorhandenen Schachstellen zu arbeiten, könnte Adil Chihi ein wandelndes Paradebeispiel dafür werden, daß es sich eben doch lohnt, festzuhalten an den jungen, noch nicht fertigen Spielern. Jenen, die Zeit auf der Weide brauchen, um ihr Talent nicht nur anzudeuten und mal aufblitzen zu lassen, sondern es in der Tat weiter zu entwickeln. Die auf dem Weg dahin allerdings auch manchen Umweg nehmen und den einen oder anderen Schritt zurück oder auf der Stelle machen. Dazu ist natürlich ein Trainer nötig, der ihnen nicht nur diese Zeit gibt, sondern eben auch ein Fußballlehrer im wahrsten Sinne des Wortes ist. Zvonimir Soldo scheint ein solcher zu sein, Christoph Daum war es offenbar weniger, zumindest im Falle Chihi.

Ob er es allerdings schafft, den seit seinem ersten Einsatz als Jugendlicher aufgrund einer unterstellten Ähnlichkeit zu gewissen befellten Puppen errungenen Spitznamen als "Dä Tschitschi" wieder loszuwerden, darf bezweifelt werden. Macht aber nichts.

Fährt ein blau-gelbes Schiff nach Buenos Aires...

Wer sich schon immer gefragt hat, wieso denn eigentlich Boca Juniors in Blau-Gelb spielt und zwar dergestalt, daß ein gelber Balken über dunkelblauen Grund querstreift, der soll Antworten bekommen (Und gebt es zu, fast jeden Morgen steht Ihr auf und fragt Euch dieses - sofern Ihr, und davon gehe ich insgeheim natürlich aus, die Antwort nicht schon längst kennt):

Es war also dereinst, Anno 1907, und somit zwei Jahre nach der Gründung des Vereins, daß die beiden Stadtteilvereine Boca Juniors und River Plate beschlossen, daß das Hafenviertel La Boca zu klein sei für zwei rot-weiße Vereine. Ein Freundschaftsspiel sollte klären, welcher der beiden weiterhin in den für alle Welt allerschönsten Trikotfarben auflaufen dürfe und welcher sich andere, und somit in der Natur der Sache liegend, häßlichere suchen müsse.
In dieser frühen der später Superclásico genannten Begegnungen gewann River und trägt seitdem das stolze Rot-Weiß. Wobei dazugesagt werden muß, daß der gut 25 Jahre später erfolgte Umzug in ein Schickimicki-Viertels der Hauptstadt Argentiniens dem Verein nicht sonderlich gut getan hat. Aber schicke Trikots haben sie.

Doch zurück zu Boca Juniors. Was also tut man, wenn man am Hafen lebt, gerade eine peinliche Niederlage erlitten hat und sich in Folge dessen neue Trikotfarben suchen muß? Exakt: Man schlendert zum Hafen und wählt, so will es die Legende, die Farben der Landesfahne des erstbesten Schiffs, daß einem vor die Nase tuckert. Und so ward es getan, und so ward es gut (Abgesehen davon, daß Rot-Weiß natürlich weitaus schöner ist. Immer und überall.)

Und wer nun immer noch nicht weiß, woher jenes Schiff kam, dem helfen Boca und Nike mit der neuesten Auflage des Trikots weiter, die aus Anlaß des 105-jährigen Vereinsjubliäum (Was man nicht alles feiern kann) herausgegeben wurde:




Und nun seid dankbar für diese unnütze Erweiterung Eures Wissens (auch wenn Ihr das alles natürlich schon längst wußtet) und freut Euch mit mir für die Boca Juniors, daß es ein schwedisches Schiff war und keines von den Seychellen:



Ich mein, wie Scheiße säh das denn aus?

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